Kunst Kritik

Grafisch gezähmte Urwaldtiere und Goldfäden

Lexikon | NS | aus FALTER 49/13 vom 04.12.2013

Er war Mitglied der Secession sowie der Wiener Werkstätte, und sein Stil ist unverkennbar: Im Kunstblättersaal des Mak ist derzeit die Ausstellung "Franz von Zülow. Papier" zu sehen, die zum 50. Todestag des Malers und Grafikers eine Auswahl seiner kleineren Arbeiten aus dem Nachlass präsentiert. Am Beginn der Schau stehen die "Monatshefte", die der 1883 geborene Künstler bunt malte, in Mini-Auflage druckte und herausgab.

In den Jahren ab 1909 interessierte sich der Fan japanischer Musterschablonen auch für das Kunstgewerbe und begann Tapetenmuster zu entwerfen, unter anderem für Kinderzimmer. Überhaupt gehören die für die Kleinen gefertigten Objekte zu den überzeugendsten der Schau. Sein Faible für die bäuerliche Kultur und Landschaft ebenso wie die Faszination für dicht von Tieren belebten Urwald kommen hier bestens zum Tragen. Papierspielzeug, Puppentheater und Kulissenbilderbücher im Stil von Dioramen lassen Märchen plastisch werden.

Von historischem Spielzeug ließ sich die Künstlerin Pae White zu der Ausstellung inspirieren, die in der Schausammlung Gegenwartskunst gezeigt wird. Dort trifft man zunächst auf riesige, glänzende Tapisserien aus Lurexfäden. Im Kontrast zu dem kostbar wirkenden Material stehen die alltäglichen Motive der Teppiche, die etwa ein Buchregal der Kalifornierin zeigen. Dahinter stehen in einer langen, verspiegelten Vitrine Spielzeugfiguren, die Kunsthandwerker aus verschiedenen Ländern nach Vorbildern aus dem Wien der 1920er-Jahre gefertigt haben. White hat eine Art alternatives Schachspiel entwickelt, was aber schwer zu erkennen ist. Es reicht die gezeigte Bandbreite und Masse an bunten, meist abstrakten Figuren unterschiedlicher Materialien, um eine Schaulust wie einst im Spielzeuggeschäft auszulösen.

Pae White: bis 11.5.2014; Franz von Zülow: bis 12.10.2014; beide im Mak


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