Kolumne  

Nelson Mandelas moralisches Erbe droht verspielt zu werden

Außenpolitik

Falter & Meinung | Franz Kössler | aus FALTER 50/13 vom 11.12.2013

Wäre Nelson Mandela vor zehn Jahren gestorben, hätte das fragile Gleichgewicht im Post-Apartheid-Südafrika nicht standgehalten. Heute ist das Land, dank der integrierenden Persönlichkeit Mandelas, eine gefestigte Demokratie mit einer vorbildlich liberalen Verfassung, einer freien Presse, einer unabhängigen Justiz, der stärksten Volkswirtschaft des Kontinents - und mit dem riesigen Problem einer dominanten Staatspartei in einer tief gespaltenen Gesellschaft.

Auf dem Weg vom Flughafen nach Kapstadt fährt man auf einer modernen Autobahn kilometerlang vorbei an Siedlungen von verrosteten Wellblechbaracken. In ihnen hat sich das Leben seit dem Sturz des Apartheid-Regimes vor mehr als 20 Jahren nicht wesentlich verbessert. Als größter Fortschritt wird dem Besucher ein Trinkwasserbrunnen mit angeschlossener Latrine gezeigt, für hunderte Bewohner. Die Jugendlichen in diesen ehemaligen Townships, die keine Aussicht auf einen Job haben, erzählen von ihrer Wut über den schleppenden Fortschritt.


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