Spießer mit Bürgerallüren: Kronprinz Franz Ferdinand

Politik | Rezension: Norbert Mappes-Niediek | aus FALTER 50/13 vom 11.12.2013

Zwei neue Bücher widmen sich dem 1914 in Sarajevo ermordeten Thronfolger Franz Ferdinand, dem großen Unbekannten der Geschichte

Das Attentat auf den Thronfolger Franz Ferdinand hat zwar einen Weltkrieg ausgelöst, in der Öffentlichkeit aber viel weniger persönliche Erschütterung hervorgerufen als etwa der Mord an seiner Tante Sisi oder gar der Selbstmord des Kronprinzen Rudolf. Viele sollen sogar froh gewesen sein, schrieb der Schriftsteller und Zeitzeuge Stefan Zweig.

Der Erzherzog "mit dem Bulldoggnacken“ lächele nie, habe keinen Sinn für Musik und auch keinen für Humor. Die Tagebücher seiner Weltreise, aus denen neulich wieder Auszüge veröffentlicht wurden, zeigen den Thronfolger als hochmütigen Schwadroneur und liefern ihn dem Spott der Nachwelt aus. Auch wer sonst nichts über Franz Ferdinand weiß, hat meistens von seiner schon krankhaften Jagdleidenschaft gehört.

Er ballerte in seiner Umgebung auf so ziemlich alles, was sich bewegte und weder Uniform noch Reifrock trug,


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige