Enthusiasmuskolumne  

Das Herz, das Glück, die Träume & der Boss

Diesmal: das beste Weihnachtslied der Welt der Woche

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 50/13 vom 11.12.2013

Bruce Springsteen und Suicide bewohnen zwei völlig verschiedene Universen der US-Popkultur. Der eine zählt zu den größten und erfolgreichsten Rocksängern aller Zeiten, die anderen sind für alle Zeiten zu Helden des Untergrunds verdammt. Suicide, bereits 1970 gegründet und bis heute sporadisch aktiv, waren einst die einzige Band New Yorks, die sogar den wildesten Punks zu hart war: Martin Rev, der Mann an der Maschine, hämmerte mit beiden Fäusten auf sein Keyboard, Alan Vega, der Mann am Mikrofon, kiekste dazu wie ein Rockabillysänger aus der Hölle. Das Publikum jagte sie regelmäßig von der Bühne.

Und doch treffen sich der Stadionrocker und die Schrottvögel aus dem Kellerclub: Springsteen ist seit Jahrzehnten bekennender Suicide-Fan, 2005 beendete er die Konzerte seiner "Devil & Dust Solo Acoustic Tour“ gar mit einer Coverversion von "Dream Baby Dream“, einem der rührendsten Popsongs aller Zeiten, mit dem Suicide 1979 demonstrierten, dass auch den härtesten Hunden eine überirdische Ballade auskommen kann.

Springsteens Liveversion ist 2008 als Auftakt einer limitierten Vinyledition zu Alan Vegas 70. Geburtstag erschienen, jetzt legt der Boss noch ein Schäuferl nach: Er hat eine wunderbare Studioversion von "Dream Baby Dream“ aufgenommen, die sein Anfang 2014 erscheinendes neues Album "High Hopes“ beenden wird und bereits jetzt als B-Seite der Vorabsingle zu haben ist - sowie als herrlich kitschiges Youtube-Video.

"Dream Baby Dream“ ist kein Song, es ist ein Mantra, ja eine Predigt, das Herz zu öffnen, das Feuer am Lodern zu halten, das Glück zu finden und seine Träume weiterzuträumen. Springsteens Interpretation ist nicht einfach nur ein zum Niederknien schönes Lied. Es ist der Weihnachtssong des Jahrzehnts. Mindestens.


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