Stadtrand 

Der Nussverkäufer und der Advent

Urbanismuskolumne

Stadtleben | aus FALTER 50/13 vom 11.12.2013

Birgit Wittstock fragt sich, wieso nicht mehr Leute Nüsse kaufen wollen

Neulich in einem Café in der Wiener Innenstadt: Ein alter Mann schleicht von Tisch zu Tisch. Geduckte Haltung, ganz so, als wäre er am liebsten unsichtbar. In seinen Händen trägt er einen prall gefüllten Plastiksack. Es sind Walnüsse, die er zum Verkauf anbietet. An dieser Stelle wurde schon von diversen fliegenden Händlern berichtet: vom chinesischen DVD-Verkäufer, über Chinesinnen mit Lichtschwertern und anderem leuchtendem Klimbim, von indischen Messerhändlern und rumänischen Parfumdealern, doch der österreichische Nussverkäufer, der ist neu. Es ist derselbe Pensionist, der im Sommer mit Maiglöckchensträußen durch die Stadt zieht. Bislang war er eine Einzelerscheinung. Aber nun ist da eine Zweite aufgetaucht: eine nicht minder betagte Dame, die ebenfalls Nüsse, wahrscheinlich aus dem eigenen Garten, verkauft, um die Pension aufzubessern. Beide wirken sie so, als könnten sie jeden Cent brauchen. Doch merkwürdigerweise stehen Nüsse trotz Vorweihnachtszeit anscheinend nicht sehr hoch im Kurs - nicht ein Einziger, der einen Sack kaufen wollte.


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