Prost!  

Kolonialer Bierstil kommt auch aus Wien-Neubau

Lexikon der Getränke. Diese Woche: India Pale Ale

Stadtleben | aus FALTER 50/13 vom 11.12.2013

India Pale Ales Wurzeln liegen in der kolonialen Geschichte Englands. Da es zu den Kolonialtruppen nach Indien verfrachtet werden sollte und die lange Seefahrt zu überstehen hatte, musste ein Weg gefunden werden, es haltbar zu machen. Da der Hopfen konservierende Eigenschaften hat, tat man davon außerordentlich viel hinein. Auch eine höhere Stammwürze bewirkte, dass sich mehr Alkohol entwickelte, der das Ale zusätzlich vor dem Verderben schützte.

Damals hat man noch mit Wasser verdünnt. Keine schlechte Idee, denn der viele Hopfen geht im Gaumen natürlich nicht runter wie Butter. Aber der Reihe nach.

Das auf Bierspezialitäten ausgerichtete Siebenstern-Bräu in Wien-Neubau hat sich dieses kolonialen Rezeptes angenommen. Die Einliterflasche aus Glas mit verschließbarem Bügel und dem merkwürdigen Tiger ist im Grunde hübsch anzuschauen, und schon lässt man es ploppen. Ein appetitlicher, fester und bahamabeiger Schaum bildet sich da. Die Farbe der Flüssigkeit geht in Richtung dunkles Bier.

Man kann noch die Prädikate naturbelassen, unfiltriert und ohne Konservierungsstoffe erhaschen und schon schmeckt es fruchtig und holzig auf der Zunge. Aber dieser frohe Augenblick dauert ungefähr so lange wie der durchschnittliche Zeitabstand zwischen erstem und zweitem Platz im Skisport oder der Formel 1, wenn man mag. Auf jeden Fall ist dieser Augenblick, ja kurz, und das ist noch zu viel. Sehr, sehr kurz. Der bittere Hopfen hat einen schon am Kragen. MS


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