Sexkolumne. Aufklärung für Zeitgenossen

Atavismus

Kolumnen | Heidi List   | aus FALTER 50/13 vom 11.12.2013

Was Sie nie über Sex wissen wollten: Heidi List antwortet, bevor Sie fragen

Ein Bekannter hat sich kürzlich Kiemen entfernen lassen. Atavismus nennt man das. Als Embryo durchläuft man anscheinend Organbildungsstadien mit Rekapitulation früherer Merkmale, und manchmal bleibt dann an einem doch wieder was hängen von den Ahnen aus der Affenzeit. Wie zum Beispiel eben Kiemen, Halsrippen, zusätzliche Brustwarzen entlang der Milchleiste oder Lanugohaar im Gesicht und so weiter. UND - und jetzt komme ich zum Punkt: Eine weitere Form des Atavismus sind Hornzipfelchen am Penis.

Die sehen aus wie ein schmuckes Blumenkränzchen rund um die Eichel, bis zu 20 Prozent der Männer dürften das haben. Eine Freundin steht über alle Maßen drauf, weil das eben so archaisch ist - "der Urschwanz,“ wie sie es nennt. Damit sie nicht zu viele Fehlbekanntschaften mit öden, glatten Neuzeitpenissen absolvieren muss, ist sie derweil auf der Suche nach einem Dildo mit Atavismus-Reminiszenz. Absolute Marktlücke, findet sie. Ich schlug vor, auch nach Zierkiemen für den Hals zu suchen oder nach Klebehaar für die Wangen. Sie findet mich jetzt blöd und des Urschwanzes nicht würdig.


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