Poesie der Systemfehler im Grazer Volkshaus. Die Zweite Liga als Schreibwerkstatt

Steiermark | aus FALTER 50/13 vom 11.12.2013

Der Begriff der "Ausdauerperformance" wurde im hiesigen Theaterland durch das Theater im Bahnhof eingeführt, ebenso das "Prinzip Dilettantismus". Nun hat TiB-Regisseurin Monika Klengel erstmals eine Produktion der Zweiten Liga für Kunst und Kultur betreut. Und schon ist in prinzipiell dilettantischer Manier die schönste Performance für Ausdauernde entstanden: "Der Druckauftrag"(Fr, Sa, Do 20 Uhr).

Barbara Kramer, Christina Lederhaas, Klaus Meßner und Johannes Schrettle sind am Ende der Erwerbsarbeit angekommen. Gemeinsam feilen sie an einem endlosen Abschiedsmail, das sie dann doch auf eine Bildschirmseite eindampfen: ein feiner Fall von kollektiver Textproduktion, samt poetischer Verdichtung. Die Darsteller sitzen dafür wild tippend hinter ihren Rechnern, während auf der Leinwand das melancholische Manifest anwächst, das sich in den Humus der Arbeitswelt wühlt, die Arbeit zum Alltag macht und Alltag zur Gewohnheit. Dazwischen trifft man sich auf ein paar Takte Impro im Besprechungsmodus und als Draufgabe gibt's noch eine Portion Krach, für die die Performer extra gelernt haben dürften, mit elektrisch verstärkten Musikwerkzeugen umzugehen.

"Ich kann so nicht arbeiten", schreit Frau Kramer ziemlich laut und in Protestsongpose. Alleine schon die handgefertigten Ganzkörpermasken, mit denen sich das Ensemble in Lärmmusikmonster verwandelt, machen den "Druckauftrag" zum Pflichtprogramm. Okay, man hätte bestimmt ordentlich kürzen können. Doch die Zweite Liga ist nicht ordentlich. Und dann wäre es auch nicht großes Chaos mit System. Und mit Klasse!


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