Kunst Kritik

Die Wiederkehr des ausgestorbenen Riesenalks

Lexikon | aus FALTER 50/13 vom 11.12.2013

In den Ausstellungen des deutschen Künstlers Michael Riedel überfällt einen regelmäßig ein Gefühl von Déjàvu, und das ist kein Zufall. Ein großer Teil seines seriellen Werks besteht aus Wiederaufnahmen, Zweitverwertungen und Kopien eigener Werke, die variierte Reprisen ihrer Vorlagen darstellen. Diese Strategie bildete schon die Basis des Kunstraums Oskar-von-Miller-Straße, den Riedel mit Freunden ab dem Jahr 2000 betrieb. Das Programm dieses Offspace bestand aus Installationen, Konzerten, Filmen und Clubabenden, die zuvor schon woanders stattgefunden hatten und nun - oft unfreiwillig - ein Fortleben fanden. So fischte man schon mal die Reste von Ausstellungen anderer Künstler aus den Mülltonnen des nahegelegenen Portikus, wie im Fall von Jim Iserman, und bespielte damit die eigene Hütte.

Die Gabriele Senn Galerie hat den Konzeptkünstler, dem die Schirn Kunsthalle Frankfurt 2012 eine Retrospektive gewidmet hat, bereits sehr früh ausgestellt. In seiner sechsten Ausstellung dort plakatiert er wieder die Wände mit Postern, die Texte aus dem Kunstbetrieb verwursten. Schriftliche Reproduktion bestimmt auch auf den gerahmten Plakaten, die von abstrakten Symbolen ihren Rhythmus erhalten.

Die Texte zu lesen, erscheint als aussichtsloses Unterfangen - sie bilden den Kunstbetrieb als Perpetuum mobile wie ein hintergründig murmelndes Geschehen ab. Aus diesem Schema bricht das Bild "Untitled (Riesenalk)" aus, eine Collage eines Skelettvogels samt Ei, den Riedel in einem Museum entdeckt hat. Der Künstler kombiniert das Fossil mit dem Plastiksackerl eines Künstlerbedarfladens, das den Begriff "Blick" und eine Malerpalette zeigt. Wie eine Buchseite bleibt die Fläche gegenüber leer. Der Malereireferenz wird also wieder die Frage nach dem Begleittext an die Seite gestellt. NS

Gabriele Senn Galerie, bis 11.1.


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