Die Virilität des Skulpturalen: Michael Kienzer in der Galerie Artepari

Steiermark | Kunstkritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 51/13 vom 18.12.2013

Mögen sich professionelle wie dilettantische Installateure weiterhin Rohrverleger nennen und dazu einen breiten Grinser aufsetzen, zu künstlerischer Leistung hat es auf diesem Gebiet trotzdem erst Michael Kienzer gebracht. Alurohre und -platten arrangiert dieser mit Gummibändern so, dass sich die Einzelteile zu einem fragilen, nur mittels Spannkräften fixierten Bild zusammenfügen. Das heißt dann etwa "Traube" und ließe bei zu rauem Umgangston gleich alles fallen. "Verlegung vol. 4" nennt sich die aufwendigere Variante auf eigenem Podest und sieht wie eine gerade noch entspannte Maschine aus. Wenn die ihre Tatkräfte mobilisiert, möchte man wieder weit weg sein: Zu groß denkt man sich die Verletzungsgefahr angesichts von reichlich Metall. Dabei besteht auch sie aus nichts als zurechtgestutzten, ansonsten aber handelsüblichen Rohren und Platten, die ohne jede Schraube oder Schweißerei überund nebeneinander liegen, ist also selber am verletzlichsten.

Ja, das Machogehabe von Kienzers Arbeiten ist zu Ende gedacht, das macht die kleine, feine Schau deutlich. Ihr Titel, "non-finito" mag eine Referenz auf Michelangelo sein und auf eine nicht gerade kurze Liste an Nachfolgern, welche die Rauheit des Unfertigen als Ausweis künstlerischer Wahrhaftigkeit verstanden und jeder Form rundgelutschter Fadesse vorzogen, weil sie die nur mit postkoitaler Erschöpfung assoziieren hätten können. Bei Kienzer steht das Unfertige noch dazu im Kleid des Vorgefertigten da: Angespannt ob der Schwerkraft strotzen die Objekte geradezu vor Lässigkeit. Das, liebe Installateure, ist die eigentliche Kunst.

Galerie Artepari, Graz, bis 15.1.2014


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