Vor 20 Jahren im Falter  Wie wir wurden, was wir waren

Bestes Böses

Falter & Meinung | aus FALTER 51/13 vom 18.12.2013

Vor 20 Jahren zierte zum ersten Mal Best of Böse das Cover. Es hieß "das Beste vom Bösen“, erschien aber bereits im Golddruck; um den Hauptbösen Gerd Leitgeb kreisten die bösen Trabanten (Jörg Haider, Ernst Wolfram Marboe, Staberl, Vera Russwurm). Drei von den fünfen sind schon tot. So eine blöde Idee brauche niemand, lautete die einhellige Auffassung in der Redaktion, "Wer will das lesen?“, war die meistgestellte Frage. Unverdrossen schrieb ich im Editorial, die Ausgabe enthalte "Abrechnung und Bilanzen. Auf eine richte ich zum Schluss Ihr besonderes Augenmerk: Das Beste vom Bösen soll zu einer jährlichen Falter-Institution werden.“

So ist es gekommen. Außerdem wurde des 100. Geburtstags Mao-Zedongs (in dieser Orthografie) gedacht. Bernhard Odehnal hielt bei einstigen Wiener Maoisten kritische Nachschau. Die meisten sagten, sie seien in dieser Phase "gegen jede Form des Totalitarismus immunisiert“ worden.

Die SPÖ schaltete eine ganzseitige Anzeige: "Die Steuerreform war ein hartes Stück Arbeit, bringt aber eine Steuersenkung, die sich für alle lohnt.“ Im Bild: Kanzler Franz Vranitzky und Finanzminister Ferdinand Lacina.

Im Feuilleton rezensierte Historiker Siegfried Mattl neue Benimmbücher und schloss: "Paragraphen können vielleicht Grundorientierung liefern, perfektionieren lasen sich Manieren nur im vollen Leben.“ In einer raren Umkehrung der Ressortzuständigkeiten huldigte Michael Omasta einer Gesamtausgabe von Ella Fitzgerald, während Klaus Nüchtern dem Trickfilmer Tex Avery seine Reverenz erwies.

Das Stadtleben glänzte mit Geschenktipps und Hiobsbotschaften: Alexander Hirschenhauser schloss nach sieben Jahren das Clubbing "Soul Seduction“. Die Marketingabteilung pries den schwarzen Falter-Rucksack. Apropos BoB: Der Einzige, der sich bis heute in der Liste hielt, ist Michael Jeannée, der damals als Krone-Adabei wiederbelebt wurde. Alter BoB-Text: "Die Neugeburt der Society-Berichterstattung aus dem Geist der Schmiere (…). Hoffnung für 1984: keine.“ AT


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