Kommentar  Sport

Wir feinen Herren da oben, ihr Matchfixer da unten

Falter & Meinung | Johann Skocek | aus FALTER 51/13 vom 18.12.2013

Ausgerechnet die Entdeckung, dass in Österreich seit etlichen Jahren Fußballspiele manipuliert wurden, offenbarte eine Teilleistungsschwäche des ÖGB.

Die Arbeitgebervertreter von Fußballbund (ÖFB) und Bundesliga gaben gemeinsam mit Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) bekannt, den Matchfixing-Skandal rasch und kompetent aufklären zu wollen. Die Spielergewerkschaft war nicht eingeladen.

Bundesligapräsident Hans Rinner behauptete, man habe rasch auf die Vorkommnisse reagiert. Rasch? Schon 2012 behauptete Bundesligavorstand Christian Ebenbauer bei einer Fachtagung, man kämpfe seit sechs Jahren in Kooperation mit den Buchmacherverbänden und dem Justiz- und Innenministerium gegen den Sportwettenmissbrauch.

Haben die alle acht Jahre lang geschlafen? Seit Frühjahr 2012 arbeitet eine polizeiliche "Task Force Wettbetrug“. Seit Sommer 2012 warnt der von ÖFB, Bundesliga und Sportministerium finanzierte Verein Play Fair Code (Kosten: 300.000 Euro) die Fußballer vor Wettbetrügern.

Aber einem Vortragenden, der einmal im Jahr kommt, wird ein Kicker seine Sorgen und Versuchungen kaum anvertrauen. Den Spielervertretern, die selbst Ex-Profis oder Aktive sind, schon eher. Und die hätten Prävention und Aufklärung um das halbe Geld geliefert.

Aber Liga und ÖFB lassen sie nicht. Der Kicker-ÖGB lässt sich das gefallen. Das Erfolgsmodell Sozialpartnerschaft ist im Fußball noch nicht angekommen. Hier trennt bisweilen der Dünkel den mit den Mächtigen verhaberten Herrn vom Kickerproleten. Das sei anderen Branchen eine Lehre, die dorthin zurückwollen!


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