Nachgetragen  Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Verjährter Missbrauch bei den Piaristen: Eine Mutter klagt an

Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 51/13 vom 18.12.2013

Auch die Piaristen bleiben von sexuellem Missbrauch nicht verschont, dem Verbrechen, das die alte Festung der katholischen Kirche seit Jahren in ihren Grundfesten erschüttert. Dem Falter liegt der Fall von Sebastian Wagner (Name geändert) vor.

Wagner besuchte die Nachmittagsbetreuung der Piaristen in der Pfarre St. Thekla im vierten Wiener Bezirk und wurde dort im Alter zwischen zehn und 16 Jahren (1971 bis 1977) von einem Mesner missbraucht. Mit 16 erlitt Wagner einen schizophrenen Anfall; es folgten die Diagnose "paranoide Schizophrenie“ und viele Aufenthalte in psychiatrischen Krankenhäusern. Wagner, der heute 52 Jahre alt ist, war es nicht möglich, sich ein geregeltes bürgerliches Leben aufzubauen. Erst nach Jahrzenten brach er sein Schweigen und schilderte einem Psychologen seine Missbrauchserlebnisse.

Ein (mittlerweile verstorbener) Mesner zeigte ihm ungefähr alle zwei Wochen im Nachmittagsunterricht in einem Nebenraum "Hard-Core-Pornofilme“. Welche Missbrauchstaten daraufhin folgten, das ist einem klinisch-psychologischen Kurzbericht aus dem Jahr 2011 in allen abstoßenden Details zu entnehmen. Nach dem Verbrechen erhielt Wagner von dem Mesner eine Jause und Süßigkeiten. Wagners Mutter Erika erstritt 2012 von der Opferschutz-Stiftung der katholischen Kirche 15.000 Euro und 50 Therapiestunden für ihren Sohn. Heute sagt Erika Wagner, die Kirche habe das Leben ihres Sohnes zerstört und ihr eigenes massiv erschwert.

Die Straftaten des Mesners sind mittlerweile strafrechtlich verjährt - doch Erika Wagner suchte den Weg an die Öffentlichkeit, weil sie sich überzeugt zeigt, dass es noch eine hohe Dunkelziffer gebe, dass ihr Sohn nicht das einzige Opfer des Mesners gewesen sei. Außerdem ärgert die Mutter die Verjährung. Sie fragt: "Was sind schon 15.000 Euro und ein paar Therapiestunden im Vergleich zu einem ruinierten Leben?“


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