Nachgetragen  Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Spinner oder heimlicher Volkstribun? Anders Behring Breivik in Wien

Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 51/13 vom 18.12.2013

Nazi-Führer Adolf Hitler wurde als junger Mann von der Wiener Akademie der bildenden Künste abgelehnt. Für den Künstler Milo Rau war das mit ein Grund, um in der dortigen Aula "Breiviks Erklärung“ aufzuführen; das laut Kronen Zeitung "derzeit meistdiskutierte Bühnenstück der Welt“ fand am Mittwoch in Kooperation mit dem Theater Garage X statt.

Die Schauspielerin Sascha Laura Soydan, eine zierliche Deutschtürkin, las mit ernstem Ton die einstündige Erklärung vor, die der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik vor Gericht abgegeben hatte.

Breivik ermordete im Juli 2011 mehr als 70 Norweger, darunter viele junge Sozialdemokraten, um dagegen zu protestieren, dass "die Nationalisten und die Kulturkonservativen von allen Machtpositionen ferngehalten werden“. Der Tenor von Breiviks Erklärung lautete, die westliche Öffentlichkeit werde von "Liberalen und Kulturmarxisten“ beherrscht, was undemokratisch sei, weil die Mehrheit deren Politik ("Einwanderung“, "Gleichstellung“ etc.) ablehne.

Während Schauspielerin Soydan ruhig die Zeilen abliest, beginnt das Publikum zu ahnen, dass Breiviks Worte, größtenteils, massenfähig sind. Sollte dieser Verdacht stimmen, stehen uns unruhige Zeiten bevor.


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