Enthusiasmuskolumne  Diesmal: das beste Power-Couple der Welt der Woche

Der dunkle und lächerliche Glanz der Macht

Feuilleton | Matthias Dusini | aus FALTER 51/13 vom 18.12.2013

Ein Ehepaar mittleren Alters steht am Fenster und raucht. Es ist Nacht, und nur das matte Licht der Straßenlaternen strahlt in das Wohnzimmer. Die beiden teilen sich eine Zigarette, ein Zeichen von Selbstbeherrschung. Doch der Schein trügt: Die Idylle ist nur eine Verschnaufpause zwischen gnadenlosen Schlachten und entfesselten Leidenschaften.

Die US-Fernsehserie "House of Cards“ stellt politische Macht als finsteres Spiel von Verführung und Verrat dar. Hauptdarsteller Kevin Spacey verkörpert den Spitzenpolitiker Frank Underwood, die Hauptdarstellerin Robin Wright dessen Ehefrau Claire, die eine Wohltätigkeitsorganisation leitet. Beide füllen ihre Rolle als glamouröses Washington-Pärchen so formvollendet aus, dass man meint, sie seien von Annie Leibovitz für Vanity Fair in Szene gesetzt worden, mit Edward Hopper als Beleuchter.

Nachdem die TV-Serie "West Wing“ die delikate Feinmechanik der Politik analysierte, die von einem letzten Endes doch wohlmeinenden Präsidenten beherrscht wird, ist die Erzählung des "Kartenhauses“ durch und durch pessimistisch. Alle demokratischen Repräsentationen - von den Sitzungen des Parlaments bis zu den Auftritten des Präsidenten - sind eine Farce, hinter der sich die Machenschaften amoralischer Herrenmenschen verbergen. Immer wieder wendet sich Underwood direkt, wie in einem Brecht-Drama, an das Publikum, um seine wahren, schäbigen Absichten zu verraten. Die Serie ist mehr als ein zynisches Drama über Realpolitik. Das Publikum durchschaut nämlich die Selbsttäuschung Underwoods, der sogar in der Geste der Entlarvung im Machtrausch gefangen bleibt. Er wähnt sich souverän, ist aber ein armes Würstchen. "House of Cards“ ist ein melancholisches Lehrstück über die Lächerlichkeit von Macht.


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