Stadtrand Urbanismuskolumne

U-Bahn-Musiker und Wiener Grantler

Stadtleben | aus FALTER 51/13 vom 18.12.2013

Es gibt solche und solche Straßenmusikanten. Und solches und solches Publikum: Leute, die aus Prinzip niemanden, der auf der Straße aufgeigt, würdigen, sich eher genervt zeigen als erfreut, und dann gibt es auch noch die, deren Geldbörsel locker sitzt und die auch gerne einmal stehenbleiben und zuhören. Letztere bilden natürlich die Ausnahme in Wien. Noch spezieller wird es, wenn es um U-Bahn-Musikanten geht: Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Sowohl bei den Musikern als auch beim Publikum. Wahrscheinlich weil man in einem Waggon zusammengesperrt ist - zumindest für die Dauer von zwei Minuten nicht flüchten kann. U-Bahn-Musikanten, die ihr Instrument beherrschen, sind leider selten. Freundlich gesinntes Publikum auch. Der Wiener, der Grantler per se lässt sich nur sehr ungern durch etwas erfreuen, besonders nicht, wenn er in den Öffis sitzt. Da ist Mieselstimmung angesagt. Einen wirklich guten U-Bahn-Musiker macht sein Talent aus, auch dies zu ignorieren und trotzdem fröhlich weiterzumusizieren. Dann bekommt er sogar einmal vom Grantler einen Anerkennungscent.


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