Prost!  Lexikon der Getränke. Diese Woche: Heißer Rabe

Über heiße Säfte, die Mutterinstinkte aktivieren

Stadtleben | aus FALTER 51/13 vom 18.12.2013

Punsch hat Hochsaison. Ob mit Alkohol oder ohne, er soll fruchtig und süß schmecken, und die klammen Finger sollen sich am ollen "Klamaukhäferl“ aufwärmen können. Wer Christkindlmärkte meidet und dennoch auf aromatisierte Heißgetränke steht, der kann zu Hause Abhilfe schaffen. Es gibt Bioinstantvarianten (eigentlich ist das ein Widerspruch in sich), zum Beispiel den "Heißen Raben“ der Firma Rabenhorst. Schwerpunkt wurde hier auf den Holunder gelegt, was grundsympathisch ist: Sowohl Schwarzer als auch die Blüte kommen hier zum Einsatz. Apfel-, Acerola- und Traubensaft arbeiten zu, und zwar mit einem beachtlichen Fruchtanteil von 97 Prozent. Etwas zu viel Zitrone ist drin und die Gewürzmischung gestaltet sich mit Zimt und Nelke tendenziell retro. Und so schmeckt er auch, etwas "omarig“, was unsereins aber nicht weiter stört. Mit diesem in Rottönen gehaltenen Design, das uns mit dem kleinen Rabencomic ein mildes Lächeln auf die Lippen zaubert, wird marketingtechnisch auf die Generation Buerlecithin geschielt. Es spricht die in die Jahre gekommenen mütterlichen Instinkte an. Man sieht innerlich schon den Werbespot, in dem die Großmutter dem Enkerl den heißen Saft einschenkt und das Kind daraufhin dankbar nickt. In der nächsten Szene wird das vor Gesundheit strotzende Kind auf dem Spielplatz beim Tollen gefilmt. Im wirklichen Leben wird das Kind den Mund verziehen, den Saft unter fadenscheinigen Ausreden stehenlassen. Und Oma freut sich, dass sie endlich den Heißen Raben für sich hat. MS


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