Tiere

Das ist Spitze!

Falters Zoo | aus FALTER 51/13 vom 18.12.2013

O Nordmanntanne, wie treu ist deine Gewinnspanne, reimt die Arbeitsgemeinschaft österreichischer Christbaum- und Schmuckreisigproduzenten auf die beliebteste aller Weihnachtsbaumarten. 2,6 Millionen Naturchristbäume werden dafür auf 3500 Hektar in Österreich über das Jahr angepflanzt und innerhalb eines Monats verkauft. Glaube kann nicht nur Berge, sondern auch ganze Wälder versetzen.

Die Website der Arge bietet noch weitere spitze Informationen: So kaufen über 40 Prozent der Konsumenten ihren Baum erst drei Tage vor Weihnachten. Der Durchschnittsbaum ist 1,60 Meter groß und kostet rund 30 Euro. Stadtmenschen überrascht möglicherweise die Tatsache, dass "100.000 Bäume aus dem eigenen Wald/Garten“ stammen. Offenbar hatte ich eine völlig falsche Einschätzung von der Zahl der Waldbesitzer in Österreich.

Falsch war ebenso meine Vermutung, dass die restlichen Bäume aus dem Wald kommen. Angebaut werden diese nämlich auf Ackerflächen. Die Christbaumproduktion ist sehr unbürokratisch und aus traditionellen Gründen steuerbefreit. Einzige Nadel im Auge der Wirtschaftskammer ist der begleitende Verkauf von Holzkreuzen, für die eine eigene Gewerbeberechtigung inklusive Abgabe notwendig wäre. Aber das ist kleinlich, wo doch das Saisongeschäft mit Nadelbäumen so leicht nicht ist. Denn zehn Prozent feiern unter einem Plastikchristbaum! Und 18 Prozent aller Haushalte besitzen zu Weihnachten überhaupt keinen Baum. Dazu gehören die bekannten Problemgruppen unserer Gesellschaft, also "Menschen anderer Glaubensrichtungen, ältere Personen und Singlehaushalte“.

Und die Arge macht auch noch Druck bei ihren circa 200 Christbaumhändlern in Wien. Dort werden tatsächlich "Stichproben“ von den Nadeln genommen! Und dann festgestellt, ob die Bäume zu den unpatriotischen zehn Prozent der Importe aus Dänemark gehören.

Dennoch denken in diesen schweren Stunden kleine Tierfreunde auch an jene unserer kleinen Freunde, für die ein Weihnachten ohne Nadelbäume ein Jahr ohne Zukunft bedeutet: Frohe und giftfreie Festtage wünsche ich nicht nur den p.t. Lesern dieser Kolumne, sondern auch dem Tannenborkenkäfer, der Tannenrindenlaus, dem Tannenspanner, dem Tannentriebwickler, der Fichtennapfschildlaus, der Fichtenzapfenschuppengallmücke, dem Fichtenzapfenzünsler und dem Fichtenbock! Und - wie es im Regierungsprogramm steht - "Schutz von Natur und Tieren“.

iwaniewicz@falter.at

zeichnung: püribauer.com


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