Film Neu im Kino

Tief gefühlt & hoch hinaus: Ben Stiller als Walter Mitty

Lexikon | D R | aus FALTER 51/13 vom 18.12.2013

Neunzehnsiebenundvierzig fädelte die Erstadaption von James Thurbers Shortstory "The Secret Life of Walter Mitty" die Kinotraumfluchten ihres verklemmten Helden (Danny Kaye) entlang eines Nazi-Raubkunst-Krimiplots auf. Anderen "verlorenen" Bildern gilt nun die ausufernde Verfilmung von und mit Ben Stiller: "Secret Life" ist vielsagend; es geht um das Fotonegativ fürs letzte Printcover von Life und einen entlassungsbedrohten Angestellten des Magazins. Aus seinem farblosen Alltag samt Actionträumen, Nicht-Romanze mit Kollegin (gut: Kristen Wiig) und Büro-Rationalisierungssatire heraus führt Bild-und Selbstsuche nach Grönland (Suff-Karaoke, nett), Island (Skaten wie ein Bub vor dem Vulkan, na ja) und Nepal (mit Sean Penn auf Gipfeln der Lebensweisheit, puh!).

Aus der Anmutung des Analog-Echten quillt Tiefsinn: Dead-Media-Lichtbildnostalgie gebiert Demutsethos vor der Welt und Lobesworte für alle, die echt noch selbst anpacken; dazu Selbstverwirklichungsjubelgesten zu Arcade-Fire-Chören nach Versicherungswerbungsart. So wird Stiller oscarwürdig und, gemessen an der gewitzten Bildfiktionenkritik seines "Zoolander" und "Tropic Thunder", zur Enttäuschung.

Ab 1.1. in den Kinos (OF im Haydn)


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