Ausstellung Kritik

Crossover im Druck: wie man verschwindet

Lexikon | NS | aus FALTER 51/13 vom 18.12.2013

Nicht wenige Fördermittel fließen dieser Tage an den Kunsthochschulen in die sogenannte "künstlerische Forschung". Was darunter zu verstehen ist, stellt nun exemplarisch die Ausstellung "Out of the Box" im Mak vor. Diese Ausstellung wurde von dem Master-Lehrgang für Kuratoren ecm an der Universität für angewandte Kunst gestaltet. Beim ersten Augenschein fühlt man sich zunächst erschlagen: Nicht nur die grundsätzliche Frage "Was ist künstlerische Forschung?" gestaltet sich sehr komplex, auch die ausgewählten zehn Projekte sind nicht leicht zu fassen. Da heißt es eine Menge Geduld und Standvermögen vor Screens und Saaltexten mitbringen, damit sich die teils auch schwer zu präsentierenden Forschungen erschließen.

Durch eine Rauminstallation leichter greifbar ist das interdisziplinäre Projekt "Biornametics", das an der Schnittstelle von Naturwissenschaften und Architektur versucht, biologische Prinzipien gestalterisch zu übersetzen. Als Beispiel dafür wurden große Rankbögen mit Hightech-Blättern entwickelt, die mittels Bewegungsmeldern auf die Betrachter reagieren. In "Features: Wiener Gesichtsprojekt" hat die Soziologin Christina Lammer Kinder mit Gesichtslähmung begleitet und bei den Übungen fotografiert, die nach operativen Eingriffen nötig sind. Dabei entsteht ein mimisches Repertoire, das mit Interviews verbunden wird.

Eines der spannendsten Projekte stellt die Druckmaschine von Bernhard Cella dar, der vor Ort ein Buch reproduziert. Es handelt sich um den Ratgeber "How to Disappear Completely and Never Be Found" von 1985, der absichtlich ohne ISBN-Nummer publiziert wurde. In seiner hintersinnigen Anordnung geht Cella der heutigen Krise der Privatheit nach und fragt auch, ob Lesen heute noch ein privater Akt sein kann.

Mak, bis 5.1.


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