Kunst Kritik

Die Kreditkarten des gedrippelten Präsidenten

Lexikon | NS | aus FALTER 51/13 vom 18.12.2013

Kennen Sie die Künstlerinnen Ursula Bogner, Justine Frank, Lora Sana oder Ronda Zheng? Bei all diesen Figuren handelt es sich um fiktive Charaktere, aber wer nicht nachliest, könnte die unter ihrer Autorenschaft gezeigte Kunst in der Gruppenschau "Ich bin eine andere Welt" leicht für echt halten. Die von Georgia Holz und Claudia Slanar im Ausstellungsraum xhibit der Akademie der bildenden Künste kuratierte Ausstellung widmet sich mit Schwerpunkt Gender künstlerischen Maskeraden wie Pseudonymen, Alter Egos oder erfundenen Persönlichkeiten.

Die wenigsten Arbeiten erschließen sich hier leicht, manche auch bei genauerer Betrachtung kaum. Am Beginn steht das Video "Der vereinbarte Tag" von Barbara Kapusta, in dem eine Gruppe über die Durchführbarkeit eines Auftrags debattiert. Zeitgenössische (Selbst-)Ausbeutung in Projektarbeit steht hier auf dem Tapet, die Diskussion kreist so wie die Kamera - ganz okay, aber in René Polleschs Theaterstücken gibt's das weit spritziger. Das Künstlertrio Janez Janša hat sich nach dem reaktionären Ex-Ministerpräsidenten Sloweniens benannt und Kreditkarten mit ihrem eigenen Konterfei entworfen. Roee Rosen aus Israel verwendet gleich ein ganzes Arsenal an fiktiven Alter Egos und tritt in einem Video als Putin-Gegner auf.

Neben Carola Dertnigs Serie "Lora Sana", die den Status der Modelle der Wiener Aktionisten thematisiert, macht vor allem die Fotowand aus den 1970er-Jahren von Zoe Crosher neugierig. Es sind Selbstporträts einer gewissen Michelle duBois, eine verführerische Schönheit, mit der die US-Künstlerin in Reproduktionen ihr Spiel treibt. In der letzten Ausstellungswoche wird noch ein vielfältiges Begleitprogramm geboten, etwa am 8.1. eine Filmschau von Roee Rosen im Mumok oder am 10.1. eine Tagung im Tanzquartier.

Akademie der bildenden Künste, xhibit, bis 12.1.


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