"Der hat gelesen, als hätte er keine Haut"

Vor 30 Jahren starb Gunter Falk. Eine Hommage im Forum Stadtpark erinnert nun an den Grazer Dichter

Steiermark | Donja Noormofidi | aus FALTER 51/13 vom 18.12.2013

Gunter Falk war an jenem Abend schwer angeschlagen, wirkte aber beinahe glücklich, wie immer, wenn er gelesen hat. Der Autor Günter Eichberger, heute auch Beisl-Kritiker des Falter, erinnert sich an den letzten Auftritt des Grazer Dichters und Soziologen vor 30 Jahren im Forum Stadtpark: "Der hat gelesen, als hätte er keine Haut" - so intensiv, so unmittelbar. Dazu spielte am 23. Dezember 1983 die Jazzband Neighbours mit Dieter Glawischnig am Piano, Falk verstand sich dabei selbst als vierte Stimme. Zwei Tage später war er tot, 41-jährig gestorben an einer Gehirnblutung.

Falk galt als intellektueller Motor der "Grazer Gruppe", einer Autorenformation um die Zeitschrift manuskripte. 30 Jahre nach diesem letzten Auftritt im Forum Stadtpark laden nun ebendort Wegbegleiter und Freunde in Kooperation mit dem Ritter-Verlag zu der Hommage "Lauf, wenn du kannst". Ishwara Erhard Koren wird dabei Falks Texte lesen, der Schauspieler verkörperte in Wolfgang Bauers "Gespenster" eine Figur, die an den Dichter erinnerte. Und wie beim letzten Auftritt Falks liefern Dieter Glawischnig und die Neighbours die Musik dazu.

Die Lebenssituation des Dichters in seiner letzten Phase war dramatisch, erzählt Eichberger. In einem Seminar habe Falk weinend von Selbstmord gesprochen, er war schwer depressiv. "Gunter Falk gab es vier Mal", schrieb die deutsche Zeit im Jahr 2001, "als Dozenten für Soziologie an der Universität, als Dichter, der die Alltagssprache gegen den Wissenschaftsjargon setzt, als Alkoholiker und als bekennenden Liebhaber".

Die Veranstaltung soll "die Rezeption einer der faszinierendsten Persönlichkeiten der Nachkriegsavantgarde" wieder in Gang bringen, meint Paul Pechmann, der die Hommage gemeinsam mit Heimo Steps veranstaltet und auch ein Symposium zu Falk plant. "Seine Sprachspiele sind niemals um ihrer selbst willen geschrieben, seine Texte haben immer existenzielle Tiefe. Er war eine der letzten devianten Figuren in dem Betrieb."

Forum Stadtpark, Graz, Fr 20.12.20.00


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