Kommentar  NSA-Affäre

2014: Heuer wird Edward Snowdens Zukunft entschieden

Falter & Meinung | Ingrid Brodnig | aus FALTER 02/14 vom 08.01.2014

Edward Snowden verdient etwas Besseres als ein Leben im dauerhaften Exil, in Angst und auf der Flucht.“ Zu diesem Schluss kam die New York Times in ihrem aufsehenerregenden Leitartikel, in dem die Redaktion endlich Stellung bezog und Milde für den Whistleblower forderte. Denn: "Auch wenn er dafür ein Verbrechen beging, hat er seinem Land einen großen Dienst geleistet.“

In Europa wurde der Leitartikel bejubelt - viele Kommentatoren erwähnten dabei allerdings ein Detail nicht: Die Zeitung fordert nicht unbedingt "Gnade“ für Snowden, sondern wäre bereits mit einem verringerten Strafmaß zufrieden. Auf den ersten Blick mag das inkonsequent erscheinen. Wenn Snowden seinem Land so einen großen Dienst leistete, warum soll er dann überhaupt eine Strafe bekommen?

Doch im rauen medialen Klima - in der manch ein US-Kommentator en passant die Ermordung von Edward Snowden vorschlägt - ist dieser Leitartikel das richtige Signal, denn er sät in der amerikanischen Öffentlichkeit Zweifel. Hat Snowden nicht doch ein bisschen Mitgefühl verdient? Hatte er womöglich gute Gründe für seine Handlungen?

Mit ihrem Text entzündete die New York Times eine Debatte, unter welchen Konditionen Snowden in die Heimat zurückkehren und wie ein faires Verfahren aussehen könnte. Im Kern geht es dabei um die Frage, wie eine Demokratie mit einem solchen Whistleblower umzugehen hat.

Kein Wunder, dass all das ausgerechnet jetzt passiert. Snowdens temporäres Asyl in Russland läuft Ende Juli aus. Die nächsten Monate sind nicht nur entscheidend für die Zukunft Snowdens, sondern auch für jene des amerikanischen Rechtsstaates.


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