Kolumne  Außenpolitik

Vor den EU-Wahlen: Nationalismus und Europaverdrossenheit

Falter & Meinung | Franz Kössler | aus FALTER 02/14 vom 08.01.2014

Der Kalender regt zu allen möglichen Jahrhundertvergleichen mit der Situation vor dem Ersten Weltkrieg an. Am meisten beeindruckt einen heute die Unbekümmertheit, die damals auch noch wenige Monate vor Kriegsausbruch herrschte. Umso beruhigender ist es, dass Europa jetzt über eine Ordnung verfügt, die einen Krieg zumindest unwahrscheinlich macht. Entspannt zurücklehnen können wir uns dennoch nicht.

Die pazifistische, solidarische Dimension war die wichtigste Motivation für die Gründung der europäischen Gemeinschaften nach dem Trauma des Krieges. Inzwischen reiche das vergangenheitsbezogene Narrativ nicht mehr aus, sagt Jean-Claude Juncker, einer der wenigen herausragenden Europapolitiker, in einem Gespräch mit der Neuen Zürcher Zeitung. Die friedliche Lösung von Krisen werde in Europa als selbstverständlich genommen.

Identitätsstiftender sind wirtschaftlicher Wohlstand und soziale Sicherheit geworden. Ihre Absicherung in einer sich rasant verändernden Welt wäre eine überzeugendere


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