Die totalitäre Tradition des Westens: Bürger als Barbaren

Politik | Rezension: Rudolf Walther | aus FALTER 02/14 vom 08.01.2014

Ein Essay aus Italien zeigt, dass völkische Vernichtungsfantasien im Westen schon lange vor dem Nationalsozialismus salonfähig waren

Dieser Essay des italienischen Philosophen Domenico Losurdo kommt spät, denn das italienische Original erschien schon 1998 und bezog sich auf das damals erschienene "Schwarzbuch des Kommunismus“ des französischen Ex-Maoisten Stephane Courtois.

Aber der Essay kommt nicht zu spät, denn die in jenem Buch und ganz allgemein nach 1989 in Mode gelangte Gleichsetzung und Bilanzierung von Kommunismus und Nationalsozialismus ist nicht verschwunden. An Volker Ullrichs Hitler-Biografie, die vor wenigen Wochen erschienen ist, bemängelte ein liberal-konservatives Blatt ernsthaft, Lenin erscheine darin nicht und auch nicht der unsägliche Ernst Nolte, der 1986 mit einer historischen Improvisation aufwartete: Aus der zeitlich früher stattfindenden Oktoberrevolution destillierte er ein kausales Verhältnis, mit dem Lenin für Hitlers Völkermord und Vernichtungskrieg


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