Mediaforschung  Verführungskolumne

Frau Graf, kann sich Unilever keine Werbeagentur leisten?

Medien | Julia Seidl | aus FALTER 02/14 vom 08.01.2014

Diese App möchte Einsicht in dein öffentliches Profil und deine Freundesliste haben.“ Ein Klick auf "OK“ und die Facebookseite des Konzerns Unilever schaltet die Applikation "Kreativwettbewerb“ frei. Bis Ende Dezember hatten Studierende unter dem Motto "Our Brands - Your Campaign“ die Möglichkeit, sich zu einer von zwei Unilever-Marken - Dove und Axe - eine Werbekampagne einfallen zu lassen. Der Gewinner erhält 1000 Euro und seine Idee wird umgesetzt.

Warum macht der Konzern das? "Es geht uns nicht darum, Kunden eine Kampagne für uns machen zu lassen“, sagt Elisabeth Graf von Unilever Austria, "Studierende sollen die Chance haben, Erfahrungen im Bereich Marketing zu sammeln.“ Der Sieger wird im Laufe der nächsten Wochen gekürt, auch das Facebook-Voting spielt dabei eine Rolle.

Allerdings: Die siegreiche Kampagne wird nicht auf nationaler Ebene ausgestrahlt, sondern "nur“ an der Hochschule des Gewinners. Dafür erscheint die Werbung exakt in der Form, die sich die Ersteller der Kampagne gewünscht haben, egal ob es sich um Plakate, Flyer, Post-its, Kugelschreiber, Süßigkeiten, "on air“- oder Onlinewerbung handelt.

Eine praktische Nebenerscheinung für den Konzern: Er bekommt nicht nur viele kostenlose Ideen, sondern motiviert etliche Studierende aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, sich mit den Unilever-Produkten intensiv auseinanderzusetzen - eine schlaue Taktik, um die sogenannte "Brand Identification“ zu fördern.


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