Enthusiasmuskolumne  Diesmal: die beste Freizeitbeschäftigung der Welt der Woche

Es ist nie zu spät, zu früh ein Bier zu trinken

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 02/14 vom 08.01.2014

Vor 30 Wochen hat mein Kollege Sebastian Fasthuber an dieser Stelle die Vorteile des Alkoholfastens gepriesen und von den damit einhergehenden "Nüchternheitsflashes“, Erfolgserlebnissen und Leistungssteigerungen geschwärmt. Ich bin da skeptisch, will aber mit dem Hinweis auf die ökonomischen Interessen der Fastenindustrie und Enthaltsamkeitspublizistik die Sinnhaftigkeit, hin und wieder Urlaub vom Getränk zu machen, nicht generell infrage stellen. So eine Leber ist zwar ein recht resolutes Organ, braucht aber auch hin und wieder Gelegenheit, sich zu regenerieren. Also lassen wir jetzt halt mal die Finger vom Alk, damit wir später wieder tüchtig trinken können.

"Zu wenig und zu viel ist dem Narren sein Ziel“, heißt es, aber ganz ohne Narreteien ist das Leben grau und monoton. Gerade die letzten Tage im Jahr haben wieder einmal gezeigt, wie viel Spaß man mit dem Trinken haben kann, wenn man es klug angeht.

Alle Welt strudelt sich ab, um noch Geschenke zu besorgen (was wir heuer, da Weihnachten auf den 24. Dezember fallen wird, bis Mitte Oktober erledigt haben werden) und macht sich anschließend mit den saisonal üblichen, grauenhaft überzuckerten Getränken zu. Wir hingegen meiden die Mediamärkte ebenso wie die stinkenden Punschhütten und gehen es von der Maschekseite an.

Wohl denen, die in schlecht besuchten, aber angenehm ausgeleuchteten Wirtsstuben sitzten, denn ihrer ist das Himmelreich! Bereits um halb vier beim ersten Bier lesen wir einen schönen russischen Roman oder ein kluges Feuilleton und nicken freundlich, wenn die Saaltochter die Frage "Nemma no ans?“ an uns richtet. Viel mehr kann man für das eigene Seelenheil und den Weltfrieden nicht tun - jedenfalls nicht, ohne dass es gleich in Arbeit ausartet.


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