Ins Mark  Der Kommentar zur steirischen Woche

Wissenschaft am Häusl

Steiermark | aus FALTER 02/14 vom 08.01.2014

Kalender sind eine sinnvolle Erfindung, zu Jahresbeginn sollte man sich einen besorgen. Es hat sich viel getan, seit man mit dem jungsteinzeitlichen Stonehenge die Wendepunkte der Jahreszeiten zu bestimmen suchte. Unlängst freute sich auf Facebook ein heimischer Kabarettist, dass ihm endlich der Carponizer zugestellt wurde. Der Carponizer ist ein Wandkalender, der nackte Frauen mit dem Cyprinus carpio, dem Karpfen, auf wenig sittsamen, dafür sorgsam arrangierten Fotos zu vereinen weiß. Das Posting wurde bald darauf gesperrt.

Ganz bestimmt ist diese Mesalliance von weiblicher Erotik und aquatischen Wirbeltieren sexistisch, dient sie doch bloß der Erbauung erwachsener Lausbuben. Doch wer Aufmerksamkeit erregen will, muss zusammendenken, was nicht zusammengehört. Gerade Universitäten müssen ihre Forschungsarbeit mit entsprechendem Appeal unter die Leute bringen, um sich auch Freunde in vielleicht etwas bildungsferneren Schichten zu machen. Man tut sich als Journalist manchmal schwer, Themen wie die Strahlungsflüsse der Muttergestirne von Supererden in den Systemen von Kepler-11, Gliese 1214 oder 55 Cancri leicht verdaulich aufzubereiten.

Das Grazer Institut für Zoologie hat nun fotografische Mitbringsel von Forschungsreisen in einem Monatskalender aufbereitet. Da hat die Zoologie doch leichtes Spiel, werden Sie nun vielleicht entgegnen. Aber haben Sie gewusst, dass man sich auch einen Kalender des Instituts für Elektronenmikroskopie ins Häusl hängen kann? Eben! Wenn jetzt noch Institute wie etwa jenes für Genomik und Bioinformatik nachziehen, könnte die Lobby für Bildungsfragen ziemlich nachhaltig gestärkt werden.

Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige