Josef Bauer im Grazer Kunstverein: Freundlich und gewitzt

Steiermark | Kunstkritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 02/14 vom 08.01.2014

Mit "Josef Bauer. Werke 1965-Heute" würdigt der Grazer Kunstverein einen Künstler, der dieses Jahr seinen 80. Geburtstag feiern wird, trotzdem aber, gerade hierzulande, so gut wie Frischfleisch ist: Seine letzte Ausstellung in Graz ist bereits 40 Jahre her. Zum anderen wirkt Bauers Werk, das sich nun zumindest retrospektiv entdecken lässt, so frisch, dass man glauben möchte, die Zeiten konzeptueller Kunst und Konkreter Poesie wären kaum vergangen.

Bei Bauer geht es zuvorderst um Modi des Verwörtlichens, die bis an die Elemente des Sprachlichen bzw. Schriftlichen heranreichen: Buchstaben werden als skulpturale Behauptungen abgehandelt oder sie werden, ihrer Etymologie entsprechend, wieder zu Stäben. Natürlich stößt man außerdem auf Beton. Der darf, wie bei Timm Ulrichs, schon aufgrund der Doppeldeutigkeit des englischen "concrete" nicht fehlen.

Bauer dividiert aber auch die Ingredienzien der Malerei auseinander. Dabei werden etwa Farben auf ihre Begrifflichkeit reduziert: das "Rote Quadrat" listet die unterschiedlichsten Rottöne in Schwarz auf weißem Grund und glatt wie nie. Freunde des Expressiven müssen dennoch nicht verzweifeln: In der Zwischenzeit sind die bunten, von ihren angestammten Plätzen entfernten Pinselstriche nämlich zu separaten Objekten geworden. Und die Arrangements, die Bauer aus Dingen und ihren Repräsentationen baut, sind viel spielerischer als man das von Joseph Kosuth kennt: Kaum wo hat das Abarbeiten der Beziehungen von Begriff, Objekt und Darstellung freundlichere und gewitztere Ergebnisse gezeitigt.

Grazer Kunstverein, bis 23.2.


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