Tango mit den Simple Minds

Wir sind mitten in der Ballsaison. Der Musiker Bernd Fröhlich mit seinem Orchester ebenfalls

Interview: Christopher Wurmdobler | aus FALTER 02/14 vom 08.01.2014

Bald ist es wieder soweit. Dann wird das Bernd Fröhlich Orchester den Hauptsaal in der Hofburg zum Kochen bringen. Seit 2003 sorgt die Kapelle mit qualitativ hochwertigem Bigbandsound für gute Stimmung bei den Besucherinnen und Besuchern des Kaffeesiederballs. Aber auch beim Jägerball und einigen anderen Veranstaltungen macht das 13-köpfige Orchester die richtige Tanzmusik. Bernd Fröhlich widmet sich nicht nur der leichten Unterhaltungsmuse, hauptberuflich ist er Sänger Alter Musik. Er gibt dem Orchester seinen Namen und jede Saison neue Arrangements und erzählt vom anstrengenden aber aufregenden Job als Ballmusiker in Wien.

Falter: Herr Fröhlich, wie sieht der Arbeitstag als Musiker bei so einem großen Wiener Ball aus?

Bernd Fröhlich: Meistens ist um 15 Uhr schon der Soundcheck, das dauert ein, zwei Stunden. Vorausgesetzt es gibt keine Verzögerung im Ablauf. Das Streichorchester macht dann die Eröffnung ab halb zehn, dann spielen wir - abwechselnd mit dem Orchester oder einer anderen Band - einstündige Sets bis halb fünf in der Früh. Dazwischen hat man immer wieder 45 Minuten Pause. Allerdings muss man für den Weg zu den Garderoben hin und zurück jeweils auch noch zehn Minuten Weg einrechnen.

Wie muss man sich so einen Ball backstage vorstellen? Marke Abstellkammerl?

Fröhlich: Die Qualität der Garderoben steigt mit der Qualität des Orchesters. Beim Kaffeesiederball sind die Garderoben für die Musiker ausgezeichnet, das muss ich schon sagen.

Bleibt Ihnen und Ihren Kollegen überhaupt Zeit, auch das Ballgeschehen zu genießen?

Fröhlich: Man bekommt ja schon auf dem Weg so viele Rückmeldungen von den Ballbesuchern. Manchmal schaff' ich es gar nicht bis zur Garderobe in der Pause, weil man unterwegs jemanden trifft und sich verplaudert.

Wie bekommen Sie die Leute auf die Tanzfläche?

Fröhlich: In Wien ist das überhaupt kein Problem. Ich bin in Innsbruck aufgewachsen und habe dort auf Bällen als Musiker gespielt. Im Gegensatz zum doch oft etwas zurückhaltenden Publikum in der Provinz wollen die Leute in Wien unbedingt tanzen. Und sie können es auch.

Was spielt denn Ihr Orchester so? Muss man da immer die neuesten Chart-Hits arrangiert haben?

Fröhlich: Es gibt Bands, die spielen die neuesten Hits. Ich bin aber der Meinung, man kann ruhig zwei, drei Jahre abwarten und schauen, ob eine Nummer wirklich Hitpotenzial hat.

Oh, dann haben Sie für die aktuelle Ballsaison kein flottes Arrangement von Miley Cyrus' "Wrecking Ball"?

Fröhlich: Nein, aber ich habe mich mit dem Rapper Cro beschäftigt; vielleicht gibt es ja hier eine Überraschung ...

Was darf man sich als tanzwütiger Ballbesucher sonst vom Bernd Fröhlich Orchester erwarten?

Fröhlich: Ich bin ein Kind der 80er-Jahre, mir machen die Sachen aus der Zeit Spaß, Bruce Springsteen oder die Simple Minds. Aber natürlich arrangiert für den Ballsaal. Also zum Beispiel "Don't you forget about me" als Tango.

Das gefällt den Leuten?

Fröhlich: Ja! Und es gefällt mir: Die Ballbesucher auf der Tanzfläche tanzen Tango und singen dazu 80er-Jahre-Pop.

Wie irritierend!

Fröhlich: Ich habe "Can't help falling in love" von Elvis als Wiener Walzer arrangiert. Nachdem wir das einmal gespielt hatten, kam ein älterer Herr zu mir und meinte: "Sie wissen aber schon, dass das ein Slow Fox ist?" Das ist schon sehr typisch für Wien, aber ich mag solche humoristischen Momente.

Ist das Programm eigentlich fix, oder entscheiden Sie spontan, welche Nummern Sie wann spielen?

Fröhlich: Es gibt nicht wie bei einem Konzert eine feste Setliste. Das Orchester hat rund 90 Nummern im Repertoire, und wir spielen, was vom Tempo her gerade gut zur Stimmung passt. Am Abend ist es meine Hauptaufgabe als Bandleader, auf die Tanzfläche zu achten. Ich muss schnell entscheiden, ob wir mit der Musik andrücken müssen, oder ob eine langsamere, elegante Nummer angebracht ist.

Und wie finden Sie und Ihre Kollegen so schnell die richtigen Noten?

Fröhlich: Die sind zum Glück alphabetisch geordnet. Die Pausen zum Blättern sollten nämlich nicht zu lange dauern.

Bernd Fröhlich spielt im Bernd Fröhlich Orchester Saxofon, singt und dirigiert.

Nächste Auftritte in Wien: 27.1. Jägerball, 21.2. Kaffeesiederball (beide Hofburg)


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