Nachrichten aus dem Inneren

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 03/14 vom 15.01.2014

Die Redaktion erklärt sich selbst

Die Redaktionsräumlichkeiten des Falter sind ein Kunstwerk. Alles, was hier eingebaut wird, erwirbt sofort den Status eines Architekturdenkmals. Das Einzige, was vom Herausgeber nicht unter klandestinen Denkmalschutz gestellt wurde, sind die Leitungen, weswegen es mittlerweile einzelne Zimmer gibt, in denen man das Licht anschalten kann, ohne den Raum verlassen zu müssen. Ursprünglich war die Strom- und Wasserversorgung nämlich nach dem Vorbild von Laurel & Hardys "Saps at Sea“ (Installateur: Ben Turpin) konzipiert - ein Gag, den Woody Allen in "Take the Money and Run“, äh, "variiert“ hat.

Ebenfalls unter Denkmalschutz steht das Farbkonzept (mein Zimmer liegt pantonemäßig zwischen 17-5528 TPX und 18-5841 TPX und hat schon schwere Nachbildstörungen verursacht). Der Einzige, der das je infrage gestellt und eigenmächtige Veränderungen am Innenanstrich seines Zimmers vorgenommen hat, war der CvD der späten 1980er-Jahre: Er wurde prompt strafversetzt. Seine an einer Überdosis "Lou Grant“ laborierende Nachfolgerin hat ihre noch viel bizarrere Idee - Veränderung der historisch gewachsenen Trennwände zwecks Einrichtung eines Großraumbüros - zum Glück nicht weiter verfolgt. Sie ist heute erfolgreiche Schriftstellerin. Wenn man von der Konzeptkunstküche "Dark Star“ zum Putzmitteldepot vor dem Herausgeberzimmer geht, hängen dort die versammelten Oberbekleidungsteile der Redaktion. Bevorzugte Farbtöne: Pale Vomit, Boring Black, Narcoleptic Nausea, Dull Grey und Dark Obstipation. Irgendwas läuft hier total falsch.


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