Vor 20 Jahren im Falter  Wie wir wurden, was wir waren

Wohl und Wehe

Falter & Meinung | aus FALTER 03/14 vom 15.01.2014

Manchmal tut es weh zu lesen, wie wenig sich entwickelt. Vor 20 Jahren stand die Wahl eines ORF-Generals an; lese ich, was ich damals schrieb, fasst mich der ganze Jammer der Lähmung unserer politischen Klasse an. "Die Idee eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks könnte zwar heute möglicherweise ebenso tragfähig sein wie im Zeitalter der Aufklärung die eines Nationaltheaters. Die diversen gesetzlich verankerten Bildungs- und Kulturaufträge dürften auch so gemeint sein. Leider spricht jedoch die Interessenslage dagegen. Bei den Printmedien (…) nehmen die Parteien nicht mehr Einfluss (Gott sei Dank), sie werden beeinflusst (das haben wir nicht gewollt). Politik ist heute weitgehend Medienveranstaltung. Bei realistischer Einschätzung der Lage heißt das: Die Politik handelt nach den Gesetzen der Medien, nicht nach ihren eigenen. Die Sekretäre wissen das, und sie wissen auch, dass es wahrscheinlich schon zu spät ist, den ORF gegen die nun positionierten und sich langsam rüstenden Privaten zu rüsten. Naives Missverständnis zu glauben, darum gehe es ihnen. Der ORF als Einflussbereich der Parteien, darum geht es ihnen bis zuletzt - allein darauf kommt es an.“

Manchmal tut es wohl zu sehen, dass sich jemand, erstens, entwickelt, und zweitens, dass man es vorausgesagt hat. Klaus Nüchtern porträtierte den jungen Saxofonisten Max Nagl und darf heute konstatieren, dass Nagl eine zentrale Figur seiner Generation geworden ist. Nüchtern stellte sich damals die Frage: "Welchen Nagl beschreibe ich? Den Jazz-Nagl, den Noise-Nagl, den Volksmusik-Nagl, den Soundtrack-Nagl? Die Wahl fällt schwer.“ Kurz: Max Nagl gehört zu den facettenreichsten Musikern seiner Generation.

Bei Arno Schmidt konnte man mit Prognosen nicht mehr fehlgehen. Am 18. Jänner wäre er 80 Jahre alt geworden, das heißt, der Hunderter steht an, aber Walter Schübler legte es nicht auf Hagiografie an, sonder auf einen kritischen Streifzug durch die Schmidt-Gemeinde. Egal, jeder Anlass, auf den "Bargfelder Wortmetz“ aufmerksam zu machen, soll uns recht sein. AT


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