Meinesgleichen

Einer, der sich was traute. Fritz Molden, 1924-2014

Falter & Meinung | aus FALTER 03/14 vom 15.01.2014

Die Nachkriegsgeneration stirbt aus. Zu ihr gehören Leute wie Fritz Molden. Er gründete mit amerikanischen und ÖVP-Geldern die Presse. Aus der Umklammerung dieser Partei befreite er sich wiederum mit US-Krediten. Seine amerikanischen Kontakte verdankte er seiner Tätigkeit als Widerstandskämpfer; blutjung riskierte er Kopf und Kragen, manchmal auch das Leben von Mitkämpfern, wie mir einer von ihnen später erzählte. Aber Molden kam durch, mit seiner flamboyanten Art scheute er kein Risiko, weder im Untergrund noch später im Vordergrund. Er war neben Hans Dichand, Hugo Portisch, Gerd Bacher eine jener prägenden medialen Kraftfiguren, ohne die man sich die Zweite Republik nicht vorstellen kann.

Seine gesellschaftliche Stellung erlangte er allerdings nicht wegen, sondern trotz seines Status als Widerstandskämpfer. Die Familie Molden war schon vor den Nazis wer gewesen; die Helden der Widerstandsbewegung 05 spielten in der Zweiten Republik sonst keine Rolle. Molden war ökonomisch erfolgreich (er baute das Pressehaus und verkaufte seine Zeitungen mit Profit), erlitt aber auch Niederlagen (mit seinem Buchverlag flog er zu hoch und machte Konkurs). In den 1980er-Jahren versuchte er in den USA, den vernichteten Ruf Kurt Waldheims wiederherzustellen. Zuletzt beriet er den Standard in dessen Gründungsphase. Aus der Republik der Zwerge ragte er formatfüllend heraus, als einer, der sich wirklich was traute, nicht nur davon redete. Fritz Molden starb vergangenen Sonntag in Wien.


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