Kommentar  Austropop

"Herz von Österreich“: Ein Hoch der Provinzialität!

Falter & Meinung | Gerhard Stöger | aus FALTER 03/14 vom 15.01.2014

Man kann es natürlich auch mit Humor nehmen. Mit Humor und bösem Zynismus. Das Problem ist nur, dass einem das Lachen bei "Herz aus Österreich“ unweigerlich im Hals stecken bleibt. Diese wöchentliche Freitagabendshow des Privat-TV-Senders Puls 4 sucht und verspricht "die neue Österreichmusik“. Als Expertenjury fungieren die Rund-und-gsund-Entertainerin Stefanie Werger, der Traktor-Rapper Lukas Plöchl und der einstige Skihütten-Tanzbär DJ Ötzi, gegen Ende der Sendung darf auch Schlagerstar Andreas Gabalier seinen Senf dazugeben.

Einzige Vorgabe an die Kandidatinnen und Kandidaten: Sie müssen deutsch singen. Ob Coverversion oder Eigenkomposition, ist egal. Was dabei herauskommt, erinnert schmerzhaft an zweierlei: Wie Jugendkultur ganz allgemein findet heimischer Pop hierzulande massenmedial schon seit Jahren kaum statt. Und wenn doch einmal von "Förderung der österreichischen Musik“ die Rede ist, wird unweigerlich eine öde Schlagerparade und ein bedrückendes Kasperltheater daraus, das zum hundertsten Mal die alte Austropop-Suppe aufkocht.

Während "Herz aus Österreich“ ein Hohelied auf die Provinzialität singt, präsentiert sich die Parallelwelt des international ausgerichteten österreichischen Gegenwartspops dieser Tage mit knapp 20 Vertretern beim niederländischen Eurosonic-Festival vor der europäischen Veranstalterbranche (siehe Falter 1-2/14), und das deutsche Feuilleton jubelt über die Qualität hiesiger Bands wie Bilderbuch und Ja, Panik - letztere zieren sogar das aktuelle Titelblatt des Musikmagazins Spex.

2014 dürfte also ein gutes Jahr für den österreichischen Pop werden. Trotz "Herz von Österreich“.


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