Der Besuch des hässlichen Balladendichters

Rezension: Rudolf Walther | Politik | aus FALTER 03/14 vom 15.01.2014

Jutta Ditfurth arbeitet sich an ihrem adeligen Ahnen Börries Freiherr von Münchhausen und seinem rassischen Antisemitismus ab

Jutta Ditfurth hat sich journalistisch und literarisch schon oft mit ihrer Herkunft aus einer Adelsfamilie beschäftigt. Im Zentrum des letzten Buches der deutschen, ehemals grünen Politikerin, die jetzt für eine ökosozialistische Kleinpartei im Frankfurter Stadtparlament sitzt, steht eine besonders schillernde Figur aus ihrer ebenso alten wie weit verzweigten Familie: ihr Urgroßonkel, der Balladendichter, Jurist, Gutsbesitzer und Edel-Nazi Börries Freiherr von Münchhausen (1874-1945).

Die weite "Reise in eine Familiengeschichte“ - so der Untertitel - begann 1989. Nach dem Tod ihres Vaters fuhr Jutta Ditfurth mit ihrer Mutter in die eben untergegangene DDR, um die Schlösser und Rittergüter zu besuchen, in denen die Mutter geboren wurde bzw. zeitweise lebte. Die Reise führte in den Kleinstaat Sachsen-Altenburg, der 1919, als der Adel politisch teilweise

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