Wieder gelesen  Bücher, entstaubt

Schwimmen gehen dürfen

Politik | Mona El Khalaf | aus FALTER 03/14 vom 15.01.2014

Ist Schwimmunterricht für muslimische Schülerinnen Teil der Bildungspflicht oder ist eine Befreiung aufgrund religiöser Argumente zulässig? Um ähnliche Fragen - wie etwa das Verbot der Teilnahme an Schulausflügen und am Sexualkundeunterricht oder das Annehmen von Blutspenden im Falle eines Unfalls - für Pädagogen zu lösen, erschien in Deutschland 2012 eine Art Handbuch. Darin zu finden sind 50 religiös-kulturelle Konfliktfälle in der Schule und wie man ihnen begegnen könnte. Auf Aussagen wie "Unser Kind hat während des Ramadan das Fasten einzuhalten!“ folgen jeweils eine Abhandlung des religiös-kulturellen Hintergrunds, alternative Deutungen sowie die deutsche Rechtslage dazu. Auch wenn das an keiner Stelle des Buches explizit wird: Der Schwerpunkt liegt auf Konfliktfällen, bei denen der Islam die maßgebliche Rolle spielt. Das hätte man im Titel oder in der Einleitung ruhig ansprechen können.

Zurück zum Schwimmunterricht: Einige muslimische Konservative verbieten das Schwimmen mit religiösen Argumenten, andere sprechen sich dafür aus - zum Teil als lebensrettende Maßnahme. Auch wenn die rechtlichen Aspekte des Ratgebers nur in Deutschland anwendbar sind, ist dieses Buch auch für Pädagogen in Österreich von großem Nutzen: Ein handliches Format, kurze prägnante Abhandlungen und Empfehlungen. Das Handbuch ist noch ausbaufähig und zugleich eine wertvolle Unterstützung für Pädagogen in der Bildungsarbeit.

Ulrike Hinrichs/Nizar Romdhane/Markus Tiedemann: Unsere Tochter nimmt nicht am Schwimmunterricht teil. 50 religiös-kulturelle Konfliktfälle in der Schule und wie man ihnen begegnet. Verlag an der Ruhr, 192 S., € 20,60


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