Nachgetragen  Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Wie Polizei und Medien aus einem Arzt einen Räuber machten

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 03/14 vom 15.01.2014

Als Carlos Wolf eines Tages zu einem Familienbesuch heimkehrte, blickte ihn der Vater vorwurfsvoll an. Ob er denn schon die Zeitung gelesen habe, fragte er.

Carlos Wolf nahm das Gratisblatt Heute zur Hand und sah ein Foto einer Überwachungskamera von sich. Da stand er auf einer Rolltreppe, die Mütze tief ins Gesicht gezogen, darüber stand "Tankstellenräuber“.

Carlos Wolf fand sein Bild noch in einigen anderen Zeitungen und deren Internetausgaben. "Hier flüchtet ein Tankstellenräuber“ stand auf Heute.at, und auch in Kurier und Österreich sah man ihn. Der Vater brummte ungläubig: "War das notwendig?“

Carlos Wolf fragte sich das wohl auch. Denn er war gar kein Tankstellenräuber, sondern er ist Arzt in St. Pölten. Nur zufällig fuhr er zum Zeitpunkt eines Tankstellenraubs, im November, mit der U2. Schon damals geriet er in eine Polizeikontrolle. Eine Polizistin trat mit gezückter Pistole in der U-Bahn-Station auf ihn zu und fragte ihn, was er hier denn tue. Carlos Wolf, der für die Polizisten vermutlich verdächtig fremdländisch aussah (die Vorfahren kommen aus Peru), zeigte seinen Ausweis und durfte gehen.

Diese Polizeikontrolle wurde ebenso von den Kameras der Wiener Linien erfasst wie die Szene, die man nun in allen Zeitungen sah. Und umso überraschter war Carlos Wolf, dass ihn die Polizei nun per Foto noch immer als Räuber suchte.

Er ging zur Polizei und beschwerte sich. Sein Foto sei gedankenlos an Zeitungen verteilt worden, beklagte er. Das war am 13. November 2013. Doch es dauerte weitere zwei Tage, ehe die Polizei die Falschmeldung auf ihrer Fahndungshomepage richtigstellte. Statt einer Entschuldigung sagte ein "präpotent auftretender Polizist“ (Wolf) bloß: "Sie können uns ja klagen!“

Wolfs Anwalt, Gottfried Korn, wird genau das tun. Die Zeitung Heute wird dieser Tage verklagt. Vielleicht entschuldigt sich die Polizei bei Carlos Wolf ja von selbst und zahlt von sich aus eine Entschädigung.


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