Technik  Dinge, die uns brauchen

Ein Spiel aus Wien, das fast schon ein Kunstwerk ist

Medien | Prüfbericht: Thomas Vašek | aus FALTER 03/14 vom 15.01.2014

Die einfachsten Spiele sind oft die besten. Zum Beispiel "Angry Birds“, bei dem man mit Vögeln grüne Schweine abschießen muss. Klingt primitiv, erfordert aber einiges Geschick. Oder "Minecraft“, das Klötzchenspiel, in dem man ganze Welten errichten kann. Macht ziemlich schnell süchtig. Das genialste iPad-Spiel zurzeit ist aber "Blek“ (2,69 Euro), eine Kreation der Wiener Entwickler Denis und Davor Mikan, die sich Kunabi Brothers nennen. Viel minimalistischer geht es nicht. Am Anfang befindet sich auf dem Bildschirm nur ein farbiger Punkt. Erst weiß man nicht so recht, was man tun soll. Dann macht man das Naheliegende - und fährt einfach mit dem Finger über den Touchscreen. Die Wischgeste erzeugt eine Linie, die sich sogleich in Bewegung setzt und über den Bildschirm huscht. Trifft man den farbigen Punkt, wird dieser zerstört. Von Level zu Level werden es mehr Punkte, in verschiedenen Anordnungen, und man begreift, dass es darum geht, passende Wischgesten zu finden, die möglichst alle Punkte auf dem Bildschirm auf einmal zerstören - und dabei den "schwarzen Löchern“ auszuweichen. "Blek“ verlangt vor allem gutes Vorstellungsvermögen. Manchmal führt eine einfache Wellenlinie zum Ziel, dann wieder braucht es in sich verschlungene Gebilde, die über das Display mäandern. Untermalt wird das Ganze von einer natürlich ebenfalls minimalistischen Soundkulisse. Selten hatte ein Spiel einen derart künstlerischen Appeal - und eine solch meditative Wirkung.

Thomas Vašek ist Journalist und Buchautor in München


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