Enthusiasmuskolumne  Diesmal: der schönste Schmachtfetzen der Welt der Woche

Helen und Harry machen Musik

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 03/14 vom 15.01.2014

Kino ist ein visuelles Medium, aber selbst der Stummfilm war bekanntlich nicht stumm, und der Ton macht die Emotion, gerade im Film. Das hat - so würde das jedenfalls Peter Kubelka (siehe auch Reportage oben) begründen - damit zu tun, dass man die Ohren im Gegensatz zu den Augen nicht so leicht woanders hinrichten oder einfach verschließen kann (was Handygespräche in öffentlichen Verkehrsmitteln so unglaublich peinigend macht).

Auch die zum Einsatz gebrachte Musik, die jetzt nicht unbedingt unmittelbar der emotionalen Manipulation des Publikums dient, bleibt mitunter nachhaltiger in Erinnerung als der Film selbst, und man verlässt beschwingt das Kino, obwohl man, sagen wir einmal, "Inside Llewyn Davis“ gar nicht sooo toll gefunden hat, wie alle Welt tut.

Gerade weil das (im Regelfall) nicht der offizielle Zweck ist, taugt Film ganz hervorragend als Medium, Musik zu entdecken. Für Woody Allen etwa waren seine Filme immer auch eine Möglichkeit, bebilderte Mixtapes mit Lieblingssongs zu erstellen und Zuseher anzufixen. Auf exemplarische Weise ist ihm das beim Autor dieser Zeilen mit einem als Titelmusik zu "Hannah and Her Sisters“ eingesetzten Schlager von Sammy Cahn & Jule Styne geglückt.

"I’ve Heard That Song Before“ ist eine Art self-fulfilling prophecy, denn hat man ihn erst einmal gehört, ist es in der Tat so, als wäre dieses Lied schon immer da gewesen. 1942 erklang es zum ersten Mal im Film "Youth on Parade“, im selben Jahr spielte es Harry James mit der Sängerin Helen Forrest ein - das ist die unkaputtbare, schmissig schmelzend-schmalzige Version, die in "Hannah …“ zu hören ist: "Please have them play it again / And I’ll remember just when / I heard that lovely song before …“


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