Buch der Stunde

Wie spät kann der Spätsozialismus noch werden?

Feuilleton | Thomas Leitner | aus FALTER 03/14 vom 15.01.2014

Eine ehrwürdige Bibliothek, daran angeschlossen ein ominöses "Institut für Herausgabe von Enzyklopädien“, ist der Hauptschauplatz des umfangreichen Romans von István Kemény (Jg. 1961), der bisher vor allem als Lyriker in Erscheinung trat. Der Erzähler ist wohl ein wenig jünger: 1986 hat er gerade einmal ein Studium an einer Provinzhochschule abgebrochen und einige Aufnahmeprüfungen verbockt. So hängt er eben herum und fällt nicht sonderlich auf: nicht in der Familie, die durch Vaters Teilnahme am 56er-Aufstand marginalisiert in trister Vorstadt lebt, und erst recht nicht in besagter Bibliothek.

Da wie dort ist eine mehrere Generationen umfassende Fauna aus (ehemaligen) Aristokraten, Wissenschaftlern sowie jugendlichen Möchtegern- oder doch wirklichen Künstlern hauptsächlich mit Herumhängen befasst. In mehreren Stockwerken haust man da übereinander, aus den Luftschutzkellern kriecht die Zukunft der Budapester Rockmusik hervor …

Alle diese Figuren scheinen angeschwemmt vom


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