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Feuilleton | aus FALTER 03/14 vom 15.01.2014

Der Krieg auf dem Schlachtfeld, der Krieg in uns

Der Schriftsteller Paolo Giordano ist ein Spezialist für die Pathologien des Alltags. Seine Romanfiguren leiden unter Pickeln, Rotwerden und Depressionen, diesmal in einem Lager der italienischen Armee in Afghanistan. "Der menschliche Körper“ ist weniger ein Buch über den Krieg als vielmehr eine Erzählung über die Sprengfallen der Intimsphäre. Es geht um das kaputte Kleinbürgertum und um die Folgen autoritärer Erziehung, die sich im militärischen Alltag als sadistische Gewalt und masochistisches Dulden äußern. Der Autor konterkariert gelegentliche Ausbrüche von Heldentum durch die Schilderung unglücklicher Liebesbeziehungen zu Hause und zwischen den Soldaten und Soldatinnen. Auch wenn Giordanos Schützengrabenszenarien mitunter sehr klischeehaft ausfallen, formuliert er ziemlich deutlich eine für die Zivilgesellschaft ernüchternde Botschaft: Der Bürgerkrieg in uns ist nur mit friedlichen Mitteln zu gewinnen. MD

Paolo Giordano:


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