Ohren auf  Alles Brahms!

Die vielen Gesichter des Johannes Brahms

Feuilleton | Miriam Damev | aus FALTER 03/14 vom 15.01.2014

Zwanzig Jahre trennen Johannes Brahms’ 1. und 2. Klavierkonzert voneinander - fast genauso viel Zeit ließ Hélène Grimaud verstreichen, ehe sie sich nach ihrer ersten Begegnung mit dem d-Moll-Konzert an das 2. in B-Dur heranwagte. Auf "Brahms Concertos“ (DG) hat sie sich nun beider Werke angenommen. Werke, die unterschiedlicher nicht sein können: tiefgründig, feurig, romantisch das 1.; sehnsüchtig und nostalgisch das 2.

Zusammen mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (1. Klavierkonzert), den Wiener Philharmonikern (2. Klavierkonzert) und dem Dirigenten Andris Nelsons strebt Grimaud nach einem Dialog und einer Versöhnung der Gegensätze, zwischen dem grüblerischen älteren Brahms und seinem jüngeren Selbst. Das ist ihr auch gelungen, auf ganz eigene, sehr subjektive Weise.

Nach seinem fantastischen Beethoven-Zyklus ist auch Riccardo Chailly bei Brahms angekommen; mit dem Gewandhausorchester hat er "Brahms - The Symphonies“ (Decca) eingespielt. Zu hören ist ein deutlich erschlankter Brahms, die Dramatik seiner Musik komme auch ohne übermäßige Exzesse aus, sagt Chailly. Also hat er ihn vom üblichen Pathos befreit, ohne an Kraft einzubüßen. Als Zugabe gibt es eine CD mit den Haydn-Variationen, Orchesterbearbeitungen von Klavier-Intermezzi und den Liebeslieder-Walzer-Bearbeitungen.

Weil Chailly derzeit von Brahms offenbar nicht genug bekommen kann, hat er mit Leonidas Kavakos auch eines der schönsten Solistenkonzerte überhaupt aufgenommen: "Brahms Violinkonzert“ (Decca). Mit seiner Eleganz und Gelassenheit, dem warmen, sinnlichen Ton und dem wohldosierten Temperament hat Kavakos in Chailly und dem Gewandhausorchester seine Meister gefunden.

Zum Schluss legt der Grieche mit einer furiosen Interpretation von Brahms’ "Ungarischen Tänzen“ und Bartóks Rhapsodien noch eines nach.


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