Nachhaltig unverbindlich: "Das radikal Böse“ des Stefan Ruzowitzky

Feuilleton | Filmverriss: Michael Omasta | aus FALTER 03/14 vom 15.01.2014

Es liegt mir nicht, Menschen zu erschießen, selbst wenn es Juden sind. Lieber ist mir der offene Kampf. Nun gute Nacht, mein liebes Hasi.“

Es sind diese unbedarften Worte, aus denen das Grauen hervorkriecht, die Briefe und Tagebücher und Protokolle, auf denen "Das radikal Böse“ basiert. Regisseur Stefan Ruzowitzky, der für "Die Fälscher“ 2007 mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, nennt sein neues Werk ein "Nonfiction-Drama“.

Wie sieht das aus, wenn ordinary men zur Mördermasse werden, systematisch Zehn-, ja Hunderttausende ermorden, ohne sich groß was dabei zu denken? Als deutsche Wehrmachtssoldaten kostümierte Statisten blicken uns an, manchmal fragend, manchmal lachend, manchmal ohne Ausdruck at all.

Leider bleibt Ruzowitzky wie so oft unverbindlich, die vermeintliche Irritation bloß beliebige Bebilderung. Dazu pulst Sound von Pulsinger, um das, was man da von prominenten deutschen Schauspielern an ungeheuerlichen Grauslichkeiten auf seine schrecklichen Pointen hin vorgetragen bekommt, doch möglichst konsumierbar zu machen.

Gegen solchen Firlefanz kommen selbst anerkannte Experten wie der Psychiater Robert Jay Lifton oder der Sozialpsychologe Roy Baumeister nicht wirklich an, die anhand der klassischen sozialpsychologischen Untersuchungsanordnungen (u.a. von Solomon Asch, Stanley Milgram oder dem Stanford Prison Experiment) über die menschliche Natur reflektieren - und jenen Hang zur Konformität, der mitunter fatale Folgen zeitigt.

Neu sind diese Erkenntnisse nicht. Neu ist die Verkaufsfläche, die vermeintlich geschmackvolle Tapete aus Bild, Klang und Splitscreens, vor der sie präsentiert werden. Sollten junge Leute daraus etwas über die Shoah lernen, wäre das sehr zu begrüßen - sollten diese im Rahmen der zu erwartenden Schulvorführungen auf die Idee verfallen, "Das radikal Böse“ hätte etwas mit relevantem Filmschaffen zu tun, wäre das eine pädagogische Katastrophe.

Ab 17.1. in den Kinos


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