Stadtrand Urbanismuskolumne

Apropos goldenes Wienerherz

Stadtleben | aus FALTER 03/14 vom 15.01.2014

Die Öffentlichen sind immer wieder eine Quelle der Inspiration. Der Ort, an dem man der Bevölkerung den Puls messen und hören kann, wie die Nation oder zumindest die Hauptstadtbewohner drauf sind. Manchmal kann das ganz erheiternd sein. Meistens ist es aber deprimierend. Oft auch ärgerlich und einfach nur traurig. So wie neulich morgens: In die U4 schiebt sich ein Mann mit einem Doppelkinderwagen. Wäre er nicht Afrikaner gewesen, die Leute hätten ihm vermutlich Platz gemacht. So gab es weder einen guten Steh-, geschweige denn einen Sitzplatz für das kleine Mädchen, das ihn zu Fuß begleitete.

Im Zug dann das übliche Geglotze. Zwei Stationen später springt ein Mann mit einer Bierdose in der Hand in den Waggon. Mit "Na, ned no a Schwoaza“ beginnt eine ganze Schimpftirade. Die Reaktion der anderen Fahrgäste - wie immer - gleich null: zustimmendes Kopfnicken, breites Grinsen, maximal verlegenes Wegschauen. Alltagsrassismus ist in Wien tatsächlich so allgegenwärtig, wie die Bezeichnung schon fürchten lässt. Gab es dieses angeblich so goldene Wienerherz eigentlich jemals?

Birgit Wittstock ärgert sich über den allgegenwärtigen Alltagsrassismus in Wien


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