Selbstversuch

Ich beschwere mich nicht, ich sage es nur

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 03/14 vom 15.01.2014

Nachdem es nach jahrelangen internationalen Bemühungen nun endlich gelungen ist, die Unart des Zigarettenrauchens auszurotten, kommt jetzt der Alkohol dran. Allerdings sehe ich seiner beginnenden Ächtung mit großer Gelassenheit entgegen, jedenfalls was meine Kreise betrifft. Die Abschaffung des Rauchens hatte auf meine Kreise folgende Wirkung: Praktisch niemand raucht nicht. Alle rauchen, außer mir und den Horwaths. Und, ach ja, der Kollege K. hat auch aufgehört. Aber sonst. Männer und Frauen, Mütter und Väter; und die Kinder fangen nun allmählich auch damit an.

Wenn ich ausgehe, kann ich mir aussuchen, ob ich mausallein im Nichtraucherbereich sitze oder lieber in guter Gesellschaft nach Atem ringe. Kürzlich war ich in einem Lokal, da war das Klo der einzige Ort, an dem man einigermaßen Luft bekam. Ich habe lange genug selber wie ein Idiot geraucht, jederzeit und überall: Ich beschwere mich nicht, ich sage es nur. Und ich sage auch: Niemand, der es geschafft hat, aufzuhören, hat das je bereut. (Das heißt nicht, dass, ähm, welche von denen nicht dennoch hin und wieder damit anfingen. Aber diesen Winter nicht.)

Ärgern tut es einen höchstens in den paar Wochen, in denen man deswegen ein paar Kilo ansetzt. Wenn man die wieder los ist: alles besser. Aber bitte, jeder, wie er will; das bissl Solidarstinken ein-, zweimal die Woche halte ich schon aus.

Die Alternative wäre nämlich, allein daheim zu trinken, aber das lässt man schon eine ganze Zeit lang, schon bevor jetzt der Trend, das eigene Trinkverhalten doch einmal kritisch zu betrachten und in diesem Kontext den Terminus "normal“ zu hinterfragen, in meinen Kreisen ein wenig in Fahrt kam.

Er nimmt gerade tüchtig Tempo auf, wie vereinzelte, etwas verschämte Gespräche zeigen, und auch eine Geschichte im letzten SZ-Magazin. Darin beschreibt die Autorin und Moderatorin Else Buschheuer, die in ihrer Welt auf vermutlich ähnliche Weise in vermutlich ähnlichen Kreisen unterwegs ist, wie sie übers ganz gewöhnliche Prosecco-Zwitschern mit einem Mal zu der Erkenntnis gelangte, dass Wodka, wenn man das Wasser in der stets mitgeführten Flasche damit aufmunitioniert, bedauerlicherweise verräterisch riecht. Der Artikel wurde auf Facebook recht hochfrequent gepostet, offenbar fühlen sich ziemlich viele Leute, die man kennt, davon angesprochen, so am Rande ein bissl zumindest.

Ja, man selber hat sich davon eh auch irgendwie ertappt gefühlt, selbst wenn das eigene Bewusstsein in dieser Hinsicht schon länger geschärft ist, schließlich ist man nicht zufällig vor ein paar Monaten auf eine anhaltend nützliche Formel gestoßen: Konsequent vor Mitternacht ins Bett, was einen nämlich, es sei denn, man hat schon am frühen Nachmittag damit begonnen, recht effektiv daran hindert, sich umfänglich ins Halleluja zu alkoholisieren. Und bei dieser Gelegenheit zum Beispiel wieder einmal eine zu rauchen. Oder zwanzig. Heuer nicht, nicht mehr.

Doris Knecht ist damit endgültig durch


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige