Kritik üben statt sich zu ärgern

Diese Woche lädt Peter Waterhouse wieder in die Kritikfabrik. Es wird um ein ungewöhnliches Hotel gehen

STEIERMARK | TIZ SCHAFFER | aus FALTER 03/14 vom 15.01.2014

Die Kritik ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Behauptet zumindest Peter Waterhouse. Der gebürtige deutsche Schriftsteller und Träger des Österreichischen Staatspreises für Literatur hat deshalb in Kooperation mit uniT die "Kritikfabrik" ins Leben gerufen. Ein Format, das sich an das Symposion alter griechischer Schule anlehnt, übermäßiger Alkoholkonsum ist allerdings nicht vorgesehen.

Die Idee wurde vor rund zwei jahren geboren, bislang standen etwa Werke von Hannah Arendt, Ilse Aichinger oder Karl Valentin zur Diskussion. Die Kritikfabrik fußt auf einer ebenso arroganten wie provokanten Annahme: Für einen Tag wird ein "bestes" Werk überhaupt verhandelt. Was so ein "bestes" Werk nun sein kann, darüber entscheidet im Vorfeld nicht zuletzt Peter Waterhouse. "Man kann sich darüber ruhig ärgern", sagt er. Tatsächlich ist ja Ärger auch ein Ansporn für Kritikfähigkeit. Zudem tritt man ohnehin nicht an, um den literarischen Kanon umzuschreiben, vielmehr sollen eingehende Betrachtungen der Werke Anstoß für Diskussionen sein, es soll die Urteilskraft gestärkt werden, aber vor allem sollen auch künstlerische Prozesse aller Art initiiert werden. Das hat in der Vergangenheit, so hört man seitens uniT, vor allem über den Kunstgriff des Querdenkens tadellos funktioniert.

Damit dieser Denk-und Produktionstag nicht alleine auf die Gunst des Publikums angewiesen ist, denn dieses sollte ja tatkräftig mitwirken, werden im Vorfeld der Veranstaltung Künstler und Experten damit beauftragt, ein wenig vorzudenken und die Sache vorzubereiten.

In der kommenden Ausgabe steht diesmal allerdings keine Künstlerpersönlichkeit im Mittelpunkt, sondern es geht um das "Grandhotel Cosmopolis". Es steht in Augsburg und dort residieren nicht nur Künstler und Touristen, sondern auch Obdachlose. Dieses soziale Modell werden an diesem Tag unter anderem die Organisatoren des Projekts, Studierende von Waterhouse, Caritas-Mitarbeiter oder Entsandte der Journalistenplattform Dossier verhandeln.

Theater am Lend, Graz, So, 11.00-20.00


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