Nostalgisch perfekt: Krystian Lupa geht Holzfällen ins Schauspielhaus

STEIERMARK | THEATERKRITIK: HERMANN GÖTZ | aus FALTER 03/14 vom 15.01.2014

Warten auf den Burgschauspieler: Das ist die absurde Ausgangssituation von Thomas Bernhards Roman "Holzfällen". Geschwätzig wird im Salon derweil um den Selbstmord einer alten Freundin herumgeredet, die man eben begraben hat. So wird die Zeit im Ohrensessel des Erzählers lang. Und der Nebel aus Fremdheit und Trauer, durch den er die Tischgesellschaft sieht, macht ihm die Menschen nicht sympathischer.

Das Schauspielhaus konnte den großen polnischen Regisseur Krystian Lupa gewinnen, all das auf die Bühne zu bringen. Er hat den Abend auf vier Stunden ausgedehnt, da kommt die gereizte Müdigkeit, in der die Figuren ihrer privaten Apokalypse entgegensteuern, wie von selbst. Bernhards Erzählstrategie wird durch die Bühne illustriert, auf der sich anfangs eine halbtransparente Wand vor die Abendgesellschaft schiebt. Dieser Undeutlichkeit steht die riesige Leinwand gegenüber, die des Erzählers Erinnerungen vergrößert. Doch Lupa hat auch ein starkes Ensemble zur Hand: Johannes Silberschneider ist ein trauriger Erzähler, Steffi Krautz eine tragikomische Gastgeberin, Franz Xaver Zach trifft als deren versoffener Gatte die lauten wie die leisen Töne, Stefan Suske gibt den Burgschauspieler mit der bei so viel Selbstironie nötigen Trockenheit.

Lupas Lesart ist einfühlsam, weit entfernt vom Zynismus in der gängigen Bernharddeutung. Mit einer schönen Schauspielkomposition, die nur stellenweise unfertig erscheint, würdigt er den anachronistischen Abgesang auf eh alles -außer das Unerreichte: eindrucksvoll, wenn auch ungewollt nostalgisch.

Schauspielhaus, Graz, 15.1., 29.1,19.30


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