Am Apparat  

Herr Ainedter, sind die paar Cent wirklich schon Betrug?

Telefonkolumne

Politik | Ingrid Brodnig | aus FALTER 04/14 vom 22.01.2014

Wer von den Kundenangeboten der Konzerne profitieren, aber nicht seine Daten preisgeben will, kann die Seite nocard.info besuchen. Die listet die Codes fremder Kundenkarten auf. Betroffen sind die Firmen Billa, Bipa und Merkur, allesamt aus dem Rewe-Konzern. Der betont, dass dieses Erschummeln von Rabatten strafbar sei. Die rechtliche Lage erklärt Rechtsanwalt Manfred Ainedter.

Herr Ainedter, ist die Nocard echt schon Betrug? Man erspart sich doch pro Produkt nur ein paar Cent.

Natürlich. Wenn ich jemanden täusche, zum Beispiel darüber, dass ich eine Kundenkarte besitze, ist das ein Betrug an diesem Unternehmen. Nur dadurch, dass sich das im Centbereich abspielt, wird es wohl unter mangelnde Strafwürdigkeit der Tat fallen.

Es ist also unwahrscheinlich, dass man dafür ins Gefängnis muss?

Nein, das bezweifle ich stark!

Wie hoch wäre sonst die Strafe?

Laut Paragraf 146 im Strafgesetzbuch bis zu sechs Monate Haft oder eine Geldstrafe - sofern es im Minimalbereich bleibt, also unter 3000 Euro.

Für 3000 Euro müsste ich oft einkaufen gehen. Nur wie schaut es denn mit den Betreibern der Webseite aus, die anonym sind?

Die haben natürlich ein massives Problem. Die sind eigentlich die Haupttäter, weil sie Nummern fälschen. Aber die kann man im Internetzeitalter wahrscheinlich schwer ausforschen.

Die Erfinder der Nocard kritisieren die Datengier der Firmen: Man kriegt nur Rabatte, wenn man Daten hergibt.

Das ist kein Rechtfertigungsgrund.

Haben Sie selbst Kundenkarten?

Ich? Nein. Meine Frau hat das natürlich, die kauft beim Billa oder Merkur ein. Meine Tochter auch. Ich versteh das nicht ganz. Den Betreibern der Nocard mag es ums Prinzip gehen, aber das Problem hab ich doch heute überall: Alle haben meine Daten.


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