"Ich habe mich freigekauft“

Politik | Prozessbericht: Sibylle Hamann | aus FALTER 04/14 vom 22.01.2014

Wie funktioniert der Straßenstrich in Wien? Vor dem Landesgericht wurde der Fall von vier Brüdern aus Rumänien verhandelt. Er bietet Einblicke in einen alltäglichen Wiener Skandal

Landesgericht Wien, Saal 106, kurz vor Weihnachten. Die Luft ist trocken. Fünf Männer und eine Frau sitzen auf der Anklagebank. Vier von ihnen sind Brüder. Cornel M. versucht sich kleinzumachen, zieht den Kopf zwischen die Schultern, wischt Fussel von seiner Jacke. Radu fällt das Stillsitzen schwerer. Der wetzt in seiner schwarzen Adidas-Trainingsjacke auf der Holzbank hin und her, bekreuzigt sich, ballt die Faust und starrt auf die weißen Fingerknöchel, als wolle er sich gleich selber ins Gesicht schlagen. Hier sitzen sehnige, kräftige Männer, doch die monatelange Untersuchungshaft hat ihnen sichtlich zugesetzt. Blass sind sie, haben eingefallene Wangen, manchmal seufzt und schnieft es auf der Bank. Weint da einer?

Die M.s sind rumänische Staatsbürger. Sie kommen aus einem Dorf in der Nähe von Timoşoara.


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