"Libertatia“ will die Verhältnisse mit glitzerndem Pop zum Tanzen bringen

Feuilleton | aus FALTER 04/14 vom 22.01.2014

Man müsse die versteinerten Verhältnisse zum Tanzen zwingen, indem man ihnen ihre eigene Melodie vorsinge, hieß es einst bei Karl Marx. "Dance the ECB, sing die Staatsfinanzen, sing ihnen ihre Melodien, zwing sie zum Tanzen“ machen die Aneignungskaiser Ja, Panik daraus auf ihrem am 31.1. erscheinenden neuen Album "Libertatia“. "Dance the ECB“ haben sie das Lied in gut gelauntem Größenwahn genannt, "Tanz die Europäische Zentralbank“ also, und da steckt auch noch eine Grußbotschaft an die deutsche New-Wave-Band DAF drin ("Tanz den Mussolini“).

Muss man das alles wissen? Natürlich nicht. Mit Zitaten zu jonglieren ist eben Andreas Spechtls Art, zu texten. Man kann mit diesen Liedern aber auch Spaß haben ohne zu erkennen, dass u.a. der Free-Jazzer Sun Ra, die Reggae-Ikone Bob Marley und die Wiener Punkband Chuzpe für einzelne Zeilen als Stichwortgeber fungierten. Der Gesang der zehn neuen Stücke ist musikalischer als je zuvor, sanft und geschmeidig. Was an der Musik selbst liegt, die sich seit dem Vorgänger, dem schweren Brocken "DMD KIU LIDT“, grundlegend verändert hat. Statt sprödem Indierock in unterschiedlichen Grautönen gibt es jetzt glitzernden, sonnendurchfluteten Pop, eingängig, groovebetont und in langer Studioarbeit mit dem Hamburger Produzenten Tobias Levin ausgetüftelt.

"Libertatia“ verhält sich zu "DMD KIU LIDT“ wie ein kompaktes Hochglanzmagazin zu einem mit Uhu und Heftklammern zusammengetackerten Fanzine. Bemerkenswert, dass Ja, Panik dabei nichts von ihrem speziellen Reiz verloren haben.

Ja, Panik: Libertatia (Staatsakt)

Live: 25.1., 21.30 Uhr, beim FM4-Fest in der Ottakringer Brauerei


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